Es ist mal wieder so weit, dass ich ein paar Gedanken zu meinem Leseleben gesammelt habe, die mich nicht loslassen, bis ich sie der Welt mitgeteilt habe. Fühlt euch gerne frei euren Senf dazuzugeben. 🙂

Ich hatte den Spaß am Lesen verloren. Irgendwo zwischen Rezensionen, Social Media und Buchbubble wurde Lesen von einem Hobby zu einer Verpflichtung und damit zu Stress. Wenn sich in einem Buch ein Plottwist aufbaute oder ein Konfliktpotential, war ich allein von der Möglichkeit einer Eskalation so gestresst, dass ich nicht weiterlesen konnte. Ich habe es Lese-Anxiety genannt. Ich weiß nicht, wie korrekt dieser Begriff ist, aber wann immer ich ans Lesen gedacht habe, schoß meine eigene Anxiety in die Höhe. Bis ich nicht mehr lesen wollte. Was ziemlich blöd ist, wenn man einen ganzen Online-Auftritt rund ums Lesen strukturiert hat.

Ich bin eine bessere Testleserin, wenn ich nicht testlese. Sobald ich ein Buch vorab zum Testlesen bekomme, bin ich befangen. Finde ich selber eine ganz schreckliche Eigenschaft von mir, weil es das Gegenteil von dem ist, was Testlesen sein soll. Aber ich kann es nicht abschütteln. Sobald ich weiß, dass ich ein Buch gerade für die Autorin lese und sie alle meine Gedanken dazu haben will, gehe ich bewusster an den Text und büße meine Objektivität ein. Ich glaube, dadurch geht die ungefilterte Reaktion verloren, die ich als Testleserin eigentlich erbringen soll.

Social Media frisst Nuancen. Zeichenbegrenzungen in den Captions, Zeitbegrenzung bei Reels oder TikToks, ein Algorithmus der mal für oder gegen einen arbeitet. Ich mag ein kurzes Video so gerne wie die nächste Person, aber die Kürze von Inhalten in den sozialen Medien hat es mir zunehmend schwerer gemacht gehaltvollen Austausch zu führen. Besonders Bookstagram ist mehr eine Dauerwerbesendung als eine Plattform des Austausches geworden, Kapitalismus hat da wirklich den Spaß aus der Community genommen. Es gab eine Fokusverschiebung, weg vom Diskutieren der Inhalte von Büchern, hin zu Schnelllebigkeit und Selbstinszenierung. Es gibt einige Accounts, die eine gute Balance halten, aber auch dort finden die wirklich guten Gespräche abseits der Plattform statt. [Sprich: Podcasts, Youtube oder Discord.]

Ich liebe und hasse Rezensionen. Rezensionen sind meine liebste Beitragsform. Ich diskutiere so gerne Inhalte und Reaktionen zu einem Buch, aber das Formulieren dieser wird einfach nicht leichter und manchmal würde ich gerne „Scheiß auf Spoiler“ sagen und alles im Detail besprechen. Das Herumtanzen um bestimmte Plotpunkte, weil jemand gespoilert werden könnte, kann ermüdend sein. Eine klassische Rezension versucht über das Buch zu reden ohne explizit Dinge auszusprechen, weils ja die Handlung verraten könnte. Aber was ich diskutieren will, kann man oft nicht besprechen ohne es direkt zu benennen. Also mache ich das in Zukunft vielleicht weniger?

Ich liebe Buchblogs, bin aber ’ne kack-Netzwerkerin. Ich liebe so sehr, dass abseits von Social Media Plattformen immer noch ein paar Buchblogs durchhalten oder sich Discord-Communities gebildet haben. Orte, die nicht einem Algorithmus unterworfen sind. Aber ich versage regelmäßig dabei aktiv zu bleiben und zu kommentieren. Und dann fühlt es sich komisch an Beiträge, die vor Monaten/Jahren erschienen sind zu kommentieren, weil Social Media irgendwann beschlossen hat, dass das cringe ist. Das hemmt mich dann immer, wenn ich meine magischen fünf Minuten des Netzwerkens habe, was wenn die betreffende Person mich dann cringe findet? Ugh.

Ich kann eine sehr undankbare Leserin sein. Besonders wenn es um Fantasy geht. Wenn der Weltenbau nicht gut genug durchdacht ist oder sich widerspricht, merke ich das. Und es reißt mich oft komplett aus der Illusion raus, meist finde ich auch nicht mehr dahin zurück. Das ist mir schon bei vielen Büchern, an denen ich eigentlich Spaß hatte, auf die Füße gefallen.

Ich bin mit einer handvoll Autor*innen glücklicher, als jedem Hype hinterherzurennen. Ich lese gerne mal eine Neuerscheinung. Ich erweitere gerne mein Repertoire an auto-buy-Autor*innen. Aber in der Regel sind Marketingkampagnen irreführend (für mich) und ich traue dem Können erprobter, geliebter Autor*innen in meinem Regal mehr, als dem Trope-Rezept auf dem Klappentext.

Trope-Rezepte garantieren kein gutes Buch. Im schlimmsten Fall nehmen sie sogar die Freude am Lesen, weil man ja praktisch schon weiß was passieren wird. Die Erwartungshaltung wird durch die Trope-Angaben so stark angekurbelt, dass die tatsächliche Umsetzung dann enttäuschend ist, weil jede*r so spezifische Vorstellungen hat, die Autor*innen selten treffen können. Außerdem macht ein Trope nur Spaß, wenn er wirklich gut geschrieben ist und daran scheitern auch viele Autor*innen. Weil es ein Schema-F gibt, an dem sich orientiert wird und nur die wenigsten ihre Version daraus machen können/wollen. Mittlerweile vertraue ich lieber auf das Können meiner Auto-Buy-Autor*innen als auf den Klappentext.

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