Ich muss zugeben, dass ich ein ausgesprochen Film-affiner Leser bin. Bücher können (nicht müssen!) monatelang auf meiner Want-to-read-Liste stehen, aber nur, wenn ein Film (inklusive Trailer) dazu angekündigt wird, fange ich tatsächlich an, das Buch zu lesen. So war das mit der Edelstein-TrilogieDie Bestimmung, Tribute von Panem, Maze Runner, Ready Player One (Ich weiß, die Liste ist endlos.) und jetzt eben The Darkest Minds. Mir ist auch bewusst, dass das ausgesprochen oberflächlich ist, aber dann will mein innerer Besserwisser im Kino sitzen können und sagen „Im Buch war das aber anders.“

Vielleicht verpasse ich durch dieses Verhalten ein paar tolle Fandom-Momente, aber für mich funktioniert dieses Verhalten deswegen so gut, weil ich dann feste Ziele (Erscheinungstermin des Films) habe, auf die ich hinarbeiten kann und wo meine Begeisterung durch die Medien entsprechend geschürt wird. Ich mag diesen Prozess irgendwie.

Ruby hat mehr als ein Drittel ihres Lebens in Thurmond verbracht, dem Rehabilitationslager der Psi Special Forces. Nachdem eine Krankheit die Mehrheit der Kinder in Nordamerika umgebracht hat, sind die Überlebenden mit beängstigenden Fähigkeiten daraus hervor gegangen und nun versucht die Regierung sie zu heilen. Aber Ruby und jedes andere Kind in Thurmond wissen, dass es keine Heilung gibt. Als sie während eines Alarms blutend zusammenbricht scheint zudem ihr Leben auf dem Spiel zu stehen …

Ich sage gleich vorneweg, dass TDM eine der besten Dystopien ist, die ich bisher gelesen habe. Ich liebe Dystopien immer noch und werde in den nächsten Jahren bestimmt noch die ein oder andere lesen. Ich finde die Szenarien und Gedankenspiele, die diese Bücher inspirieren, faszinierend und werde (hoffentlich) nie müde, neue Welten zu entdecken.

Was hat dieses Buch nun so besonders für mich gemacht? Zu allererst: Ruby! Ich habe mich in ihr teilweise sehr stark selbst erkannt, gerade weil Ruby niemanden wehtun will oder ihn in Schwierigkeiten bringen und weil sie gegen Gewalt ist. Ruby würde lieber sich selbst opfern, als irgendwen anderes. Das ist natürlich eine Eigenschaft, die viele Heldinnen haben, aber bei Ruby wird das ganz anders dargestellt, für sie ist es ein Grundbedürfnis niemandem Probleme zu machen, das auch durch ihren Aufenthalt in Thurmond geprägt wurde. Zu Beginn hat sich Ruby von ihrem Überlebensinstinkt leiten lassen, was allerdings auch bedeutet, dass sie nicht gekämpft hat. Gerade diesen Unterschied fand ich toll, denn Ruby hat sich angepasst und beobachtet, etwas, das ich viel zu selten in jeglicher Jugendliteratur lese und was ich sehr wichtig finde. Um ein System zu revolutionieren, muss man es zuerst verstehen.

Wenn wir mal bei den Figuren bleiben, kann ich gleich noch einen weiteren Grund nennen, warum ich dieses Buch so mag: Liam, Zu und Chubs. Die Freundschaft zwischen diesen drei total unterschiedlichen Menschen, ihre Hilfsbereitschaft, Skepsis und Fürsorge ist wunderbar. Liam hat mich durch seinen Moralkodex beeindruckt, wenn er die Möglichkeit hat, lässt er niemanden allein. Egal ob er ihn kennt oder nicht. Chubs ist meinem Teenager-Ich wohl am ähnlichsten, vielleicht mochte ich ihn gerade deshalb so wenig am Anfang. (Ups.) Er ist zynisch, etwas egoistisch, loyal und ausgesprochen misstrauisch. Zu bildet den perfekten, liebevollen Gegenpart zu den beiden Jungs. Sie ist die Jüngste von allen und spricht nicht, sorgt aber mit ihrer Art und Kindlichkeit dafür, dass die Gruppe zusammenbleibt.

An der Handlung hat mir der Road-Trip, der einen großen Teil des Buches einnimmt, mit am besten gefallen. Ich mag einfach Road-Trips und geparrt mit einer fast-postapokalyptischen Szenerie (Ausgeräumte Supermärkte, reihenweise verlassene Autos, zerstörte Wohngegenden) ergibt das eine düstere, atmosphärische Reise. Ich finde diese Szenarien der „kaputten Welt“ wahnsinnig spannend, man sieht dann richtig was der Mensch wirklich zum Überleben braucht und was nur Spielerei ist. Die Entfremdung allen Komforts ist etwas, dass mich immer wieder wach rüttelt und ich erwische mich immer öfter selbst dabei, durch das Leben zu laufen und mich zu fragen „Wie würde dieser Ort in einer Dystopie“ aussehen? Vielleicht mag mein Kopf einfach gerne schräge Gedankenspiele, vielleicht lässt mich aber auch die Vorstellung einer gar nicht mehr so fernen Zukunft nicht los.

Ganz kurz muss ich auch mal das Thema Schreibstil anreißen: Ich hatte mit diesem Buch mehr Probleme, als mit vielen anderen englischen Büchern. Ich musste manche Stellen mehrmals lesen, um die Verbindung zum Geschehen wieder herstellen zu können, weil die Autorin nicht viel mit dramatischen Sätzen arbeitet, sondern die Informationen „einfach so“ fallen lässt. Im einen Moment läuft alles super – Zack! Schon ist ein kleines Wörtchen aufgetaucht, das alles ändert. Das führt auch zu einem tollen Spannungsverlauf und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es war wie eine Sucht. Zwei Tage lang habe ich im Ruby-Land zugebracht und dann brauchte ich UNBEDINGT Band 2.

Ganz zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass ich die Regierung in dem Buch beängstigend und spannend zugleich finde. Ruby und fast alle anderen überlebenden Kinder wurden in Rehabilitationslager gebracht, wo sie rund um die Uhr bewacht werden, simple Arbeiten wie Nähen vollbringen und nur noch eine Nummer sind. Mich hat das stark an eine moderne Darstellung der Konzentrations- und Arbeitslager aus dem Dritten Reich erinnert. Ich habe im Laufe meiner Schulkarriere insgesamt dreimal ein Konzentrationslager besucht (Buchenwald bei Weimar, und Auschwitz) und die Beschreibungen von Thurmond haben sich fast haargenau mit Buchenwald gedeckt. Ich hatte also sofort ein Bild im Kopf und konnte mir die furchtbaren Zustände super vorstellen, gerade auch, was die Aktionen der Regierung anging. Es gibt sehr viele Parallelen zu dem, was mir aus dem Geschichtsunterricht im Kopf hängen geblieben ist. Ich finde, eine bessere und Menschen nähere Aufarbeitung des Themas gibt es nicht und grade Jugendliche, die sich damit auseinandersetzen, können ganz viel aus dem Buch mitnehmen.

Autor*in: Alexandra Bracken • Titel: The Darkest Minds (The Darkest Minds #1) • Verlag: Disney-Hyperion • Seiten: 488 • Format: Gebunden mit Schutzumschlag, Taschenbuch, eBook • Preis: 14,99€ (GB); 7,99€ (TB); 5,49€ (ePub) • Erscheinungsdatum: 22. Oktober 2013 • Neugierig? Thalia.de ¦ Amazon.de

7 thoughts on “The Darkest Minds von Alexandra Bracken”

  1. Danke, diese Review hat mir endlich mal wieder richtig Lust auf eine Dystopie gemacht und ich werde es mir auf jeden Fall kaufen. Ist bestimmt auch ein Buch, das man gut im Krankenzimmer lesen kann, um sich die Zeit zu vertreiben. Wirklich, top Rezension! Hoffentlich hält das Buch auch, was du versprichst 😉

    1. Haha, ohje, jetzt fühle ich mich ganz schön unter Druck gesetzt. Rezensionen sind immer subjektiv, aber nach Panem und Divergent – die ich auch sehr mochte – gefiel es mir eben richtig gut. Ich hoffe auf jeden Fall sehr, dass es Dir gefällt. Vielen Danke für deine Worte, hat mich sehr gefreut. LG Frizzi

  2. Was Dystopien anbelangt lasse ch mich beim lesen auch von Filmen leiten.Jedoch lese ich die Bücher meist erst nachdem ich die Filme gesehen habe, weil ich so dann abschätzen kann ob mir die Reihe nicht doch zu kitischig ist in Buchform. Somit warte ich da sogar noch länger als du und verpasse noch mehr Fandom Momente :P. Habe deshalb reihen wie „Die Tribute von Panem“, „Die Bestimmung“ oder auch „Percy Jackson“ erst nach den Filmen gelesen bzw. angefangen. Auch bei „The Maze Runner“ stehen die Bücher noch im Regal, während ich die Filme liebe. Von „The Dark Minds“ habe ich deshalb auch schon den Filmtrailer gesehen und möchte mir den unbedingt anschauen. Das Buch reizt mich im Anschluss dann ebenfalls, gerade weil du es nun auch noch so gut bewertet hast.

    Lg Nicole // Litnetzwerk

    1. Hi Nicole,
      ich muss gestehen, ich bin vom Effekt des Litnetzwerkes doch echt überrascht, vor allem, weil ich mich so spät eingetragen habe.^^‘ Deine Methode finde ich auch ganz spannend, allerdings merke ich bei mir dann immer, dass der Film automatisch das Buch überlagert und ich mir Szenen aus dem Buch viel schlechter merken kann. Erster Eindruck und so. Maze Runner muss ich noch beenden, obwohl die Reihe sich schon bei Band 2 sehr vom Film abhebt, was ich aber auch nicht schlecht finde. Percy Jackson habe ich aber tatsächlich auch erst nach dem Film gelesen – ich war soo verknallt in Logan Lerman. Tribute von Panem fand ich zuerst ganz schrecklich, ich hatte richtig Angst vor dem Buch und habe es unter meinem Nachttisch versteckt. erst als meine Freundin mit mir den ersten Film geguckt hat (Und mir dabei ganz viel gut zureden musste.) habe ich die Reihe weitergelesen. Mittlerweile mag ich sie richtig gerne und finde es ganz fantastisch, wie Katniss langsam zerbricht. Also, wie es gezeigt wird, nicht, dass sie zerbricht.Die filmische Umsetzung ist da auch ganz spitze geworden, die schaue ich immer wieder gerne an.
      Danke für deinen Kommentar und viel Spaß beim weiterstöbern.
      LG

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