Bei diesem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar.

Seit ich Anfang des Jahres zwei Bücher von Jane Austen gelesen habe, bin ich super fasziniert von dieser Autorin und konnte zu einem Buch, dass sich mit ihrem Leben und Zeitreisen beschäftigt nicht Nein sagen.

Allerdings kam bereits nach den ersten paar Seiten die Ernüchterung: Dieses Buch ist langweilig. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, vielleicht hatte ich auch zu hohe Ansprüche. Dieses Buch las sich weder wie ein Jane Austen Roman (Auch wenn die Autorin es stark versucht hat), noch wie eine spannende Zeitreisegeschichte. Es war eher so ein Zwischending, das mich leider nicht überzeugt hat.

Rachel und Liam kennen sich kaum, als sie zusammen in der Zeit zurück reisen, um das verschollene Manuskript von Jane Austen direkt von ihrem Schreibtisch zu klauen. Als Bruder und Schwester aus Jamaika getarnt versuchen sie sich einen Zugang zur Austen-Familie zu verschaffen, um so nah wie möglich an die Autorin heran zu kommen. Aber die Ereignisse bewegen sich 1815 in ihrem eigenen Tempo …  

Ich habe dieses Buch 30 Tage lang gelesen, teilweise musste ich mir Leseziele setzen, um überhaupt voran zu kommen. Der Ton des Buches ist aufgrund vieler Faktoren sehr träge, dazu zählt auf jeden Fall der Schreibstil, die Figuren und die Handlung.

Fangen wir mit dem Schreibstil an: Jane Austens Bücher zeichnen sich meiner Meinung nach durch ihre pfiffige Erzählweise und versteckten Botschaften aus. Gleich von Beginn an hatte das Gefühl, dass Kathleen Flynn dies zu imitieren versucht, allerdings mit wenig Erfolg. Die Sätze wirkten öfter konstruiert, teilweise war die Zeichensetzung merkwürdig und Wörter falsch gebildet. Da ausschließlich aus der Sicht von Rachel, die im 19. Jahrhundert als Mary Ravenswood bekannt ist, erzählt wird, kommt es zu keinem Tonwechsel im Erzählstil und auch das Auftreten anderen Figuren macht die Handlung wenig spannend.

Rachel ist eine sehr zurückhaltende Protagonistin und sie erzählt viel. Selten kommt es zu direkter Konversation, meistens tatsächlich mit den Austens selber und da auch nur zu höflicher Konversation. Schlecht dargestellte Rollenbilder machen die Figuren zusätzlich eher langweilig und die angebliche emanzipierte Rachel passt sich nach ersten Schwierigkeiten nahtlos in die dröge Existenz der Frauen dieser Zeit ein. Das Auftreten von Jane Austen fand ich zudem eher enttäuschend, obwohl ich da keinesfalls ein Experte bin. Die wortgewandten Gespräche die mich in Stolz und Vorurteil und Verstand und Gefühl oftmals erstaunt haben, fehlten mir hier völlig. Zudem ist Rachel ein sehr kopflastiger Mensch, oft schweift sie mit ihren Gedanken ab und dem muss man als Leser natürlich folgen. Die sowieso schon gemütliche Handlung wird damit zusätzlich noch einmal gezogen.

Die eigentliche Mission – das Manuskript von The Watsons zu stehlen, bevor es verloren geht – zeichnet sich ebenfalls durch Nichtexistenz aus. Auf keinen Fall dürfte man es eine Jagd nennen, denn etwas weniger Spannendes habe ich selten gelesen. Aufgrund der Geschlechterrollen im 19. Jahrhundert ist es eine unausgesprochene Regel, dass Rachel das Manuskript beschaffen muss, das es für einen Mann unmöglich wäre in die privaten Räume einer unverheirateten Frau vorzudringen. Rachel erweist sich nicht als besonders geschickt dabei, ihre ganze Vorgehensweise ist plump und sehr durchschaubar. Dennoch schafft es die Autorin innerhalb von den letzten 100 Seiten einen Twist nach dem anderen einzubauen und alles, wofür in dem Buch gearbeitet worden ist, umzuwerfen.

Das Zeitreisen selber, dass eigentlich eine große Rolle spielen sollte, wird unzureichend bis gar nicht erklärt, nur ein paar physikalisch klingende, allgemein akzeptierte Vorstellungen von Wurmlöchern werden in den Raum gestellt und dann darf der Leser sich selbst etwas zusammen reimen. Auf ungefähr 30 Seiten wird ein kurzer Einblick in die Welt gewährt, der Liam und Rachel eigentlich entstammen und abgesehen von vagen Anhaltspunkten wie das „große Sterben“ wird wenig von der dystopischen Welt offenbart.

Ein wenig noch zum Ende: Es ist sehr offen gelassen und wirkt unglaublich gehetzt. Alles was zuvor im Buch an Dramatik und Spannung gefehlt hat, wird hier in einem ungesunden Tempo noch eingefügt, dass sich dem Leser am Ende der Kopf dreht. Zudem ist die dystopische Welt, aus der Rachel kommt, vorher kein einziges Mal erwähnt worden und plötzlich bekommt der Leser alle Informationen auf einmal. Demnach fühlte sich der Weltenbau wenig durchdacht und sehr oberflächlich an.


Autor*in: Kathleen Flynn • Titel: Jane Austen: Jagd auf das verschollene Manuskript • Verlag: Harper Collins Germany • Seiten: 396 • Format: Taschenbuch mit Klappenbroschur, eBook • Preis: 14,99 € (TB); 10,99 € (ePub) • Erscheinungstermin: 2. Mai 2018 • Neugierig? Thalia.de

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