Ich habe noch nicht viel Erfahrung mit feministischen Büchern gemacht, schon gar nicht im Bereich New Adult/Contemporary. Ich bin irgendwie überrascht gewesen beim lesen, aber auch enttäuscht.

Cassie möchte unbedingt auf eine Elite-Uni gehen, aufgrund der finanziellen Situation ihrer Eltern – und deren Unwillen – bewirbt sie sich für ein Stipendium. Nur ist ihr Projekt eine heikle Undercover-Mission in einer Studentenverbindung, der Delta Tau Chi Fraternity. Mit der Mission deren Frauenfeindlichkeit zu beweisen, bewirbt sie sich als ersten Mädchen überhaupt für einen Platz und sorgt damit für ganz schönen Wirbel. 

Ich habe von diesem Buch etwas anderes erwartet, als ich letztendlich bekommen habe. Der Klappentext hat es erwachsener klingen lassen, als es letztendlich war, denn im Grunde bekommen wir einen New Adult Roman mit einem feministischen Beigeschmack.

Cassies Leben an der Warren University beginnt so wie jeder Move-In-Vlog auf Youtube. Wirklich. Im Nachhinein denke ich, dass es ein bisschen zu Klischee-belastet war, obwohl mit einigen zum Ende des Buches hin aufgeräumt wird. Dass dabei der ganze Bewerbungsprozess und damit verbundene Angespanntheit und Nervosität einfach übergangen wird nahm dem Buch seine Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit. Durch das Fehlen solcher Details wirkte der Plot mehr als Ausrede, denn als tatsächliches Problem.

Die Betreuung des Stipendiums hat dabei auch nicht wirklich geholfen, denn auch wenn Cassie sich zwei bis drei Mal mit einer gefeierten Journalistin, Nobelpreisträgerin und Feministin trifft, die ihrer Studie helfen soll, bekam sie ebenso eine Marketingbetreuerin, der es nicht am Aufzeigen eines gesellschaftlichen Problems, sondern mehr an der größtmöglichen Aufmerksamkeit gelegen hat.

Sobald Cassie ihren Initiationsprozess beginnt, muss sie online eine Art Tagebuch führen, deren Einträge an die Eingeweihten des Projektes gesendet werden, zusätzlich dazu werden anonyme Umfragen zu dem Greek Life auf den Campus durchgeführt, die Cassie bei ihrer Thesis helfen sollen. Die Fraternity (männliche Studentenverbindung), die sie sich ausgesucht hat, wurde bereits unter Beobachtung gestellt, da sie am Weltfrauentag frauenfeindlichen Poster und Dekorationen verwendet haben. Cassie geht alles andere als unvoreingenommen in ihre Undercover Mission und es dauert ein ganze Weile, bis sie beginnt sich aktiv einzusetzen und sich für ihre Bruderschaft zu erwärmen.

Der Initiationsritus selber beinhaltete eine Menge Schikane – besonders Cassie gegenüber, weil sie ein Mädchen ist – und illegalem Alkoholgenuss. Und das hört danach auch nicht auf. Die Bruderschaft selber ist eine Mischung aus jungen Männern, die wirklich Frauenfeindlich sind und denen, die es noch nicht besser wissen. Im Laufe der Handlung gelingt es Cassie einige Vorurteile aufzuheben, sie führt sogar eine 1×1 Tagung zum Thema Menstruation und Sex durch. Nachdem sie von ihren Betreuerin immer wieder ermutigt wird sich am Frat-Leben aktiver zu beteiligen, beginnt sie ebenfalls auf frauenfeindliche Kommentare und Verhalten hinzuweisen und sammelt so eine solide Gruppe an Jungs um sich, die am Ende mehr als nur ihre Brüder sind.

Obwohl ihre Einträge und Beobachtungen anspruchsvoll formuliert sind und einige spannende Fragen aufwerfen, werden sie mit dem Beginn der Liebesgeschichte immer weniger. Die Liebesgeschichte hat ab der Hälfte die Handlung komplett übernommen und oftmals ignoriert Cassie ihre Termine und wird nachlässig. Das führt letztendlich auch zum Finale des Buches, das weder ein großer Knall ist, noch befriedigend geklärt wird. Die Hierarchie der Bruderschaft, die im Laufe des Buches aufgebaut und erklärt wurde, kommt fast nicht zum Tragen und der Konflikt wird mit Worten wie „das waren die schlimmsten Tage meines Lebens“ (grob übersetzte) abgekanzelt. Am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf, ohne näher betrachtet worden zu sein, besonders die Entscheidung über das Weiterbestehen der Bruderschaft wurde mir nicht genügend erklärt. Das Ende fühlte sich sehr gehetzt an und auch, wenn es ein Happy End ist, war ich damit nicht happy.

Dennoch sehe ich das Buch nicht als Flopp an, da Cassie zwar in einer sehr turbulenten, Klischeebeladenen und überdramatischen Welt lebt, dennoch mit Problemen kämpfen muss, die ich sehr gut nachvollziehen konnte. Die vorhin bereits erwähnten Tagebucheinträge lassen sich sehr schwierig, das hätte von einem meiner Dozenten stammen können. Die gute Bildung und Schreib- und Argumentationserfahrung der Autorin hat dabei qualitativ einiges wettgemacht, das Kiley Roache bereits als Studentin für die New York Times, Huffington Post Teen, Chicago Tribune und San Francisco Chronicle geschrieben hat.

Ich fand es wunderbar, wie das Bewusstsein über Feminismus und die Reputation des Greek Life in Frage gestellt wurde und wie Cassie lernen musste abzuwägen und zu beobachten. Dass Ignoranz oftmals auf Unwissen basieren kann und vorschnelle Urteile keinen gesellschaftlichen Wandel bringen.

Ich habe in diesem Buch mehr über das Sorority/Fraternity-System gelernt, als über Feminismus und Gender Equality, dennoch finde ich es lesenswert. Ich denke, dass es gerade für Einsteiger in das Thema geeignet ist, da es wissenschaftliche Analysen auch mit Normalität verbindet.

Oh, die Gestaltung des Buches hat mir übrigens sehr gut gefallen. Das ist nicht das sicherste Qualitätsmerkmal, aber das Design finde ich umwerfend.


Autor*in: Kiley Roache • Titel: Frat Girl • Verlag: Harlequin Teen • Seiten: 438 • Format: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, Taschenbuch, eBook • Preis: ca. 15 € (GB); ca. 9 € (TB); 5,99€ (EPub)• Erscheinungstermin: 27. März 2018 • Neugierig? Amazon.de ¦ Thalia.de

3 thoughts on “Frat Girl von Kiley Roache”

  1. Von dem Buch hatte ich noch gar nichts gehört, hatte aber bei deinem Instagram Bild schon gedacht, dass es richtig cool aufgemacht ist. Bücher die sich mit Feminismus beschäftigen habe ich bisher auch kaum gelesen, finde das Thema aber super spannend und möchte das definitiv noch nachholen. Auch, wenn ich mir bei deinen Kritikpunkten nicht so sicher bin, ob dieses Buch tatsächlich was für mich ist 😀
    Hast du die Spinster-Reihe von Holly Bourne eigentlich gelesen? Weil da geht es ja auch relativ viel um Feminismus, vor allem im letzten Teil.

    Alles Liebe,
    Katharina

    1. Nein, die Spinster-Reihe habe ich noch nicht gelesen. Wenn ich ehrlich bin hat sie mich bisher noch nicht so angesprochen, obwohl ich bei dir und anderen viel Gutes über sie gelesen habe. Aktuell möchte ich lieber an meinem SuB arbeiten, anstatt neue Bücher anzuhäufen (Kaum zu glauben, oder?). Ich kann es mir auch eigentlich gerade nicht leisten.
      Ich kann verstehen, dass Frat Girl nach meiner Rezi etwas fadenscheinig wirkt, aber man muss ja ehrlich sein.
      Alles Liebe zurück, Frizzi.

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