Ich bin mittlerweile an dem Punkt des Sommers angekommen, wo man der Hitze nur noch mit einem süßen Contemporary-Buch entfliehen kann. Und da Jenn Bennett mich bereits im März mit Annähernd Alex in den Sommer geschickt hat, wollte ich ihr neues Buch unbedingt ebenfalls auf das Sommer-Freiheits-Feeling testen.

Zories Leben ist absolut durchstrukturiert. Es ist sogar so durchstrukturiert, dass der kurzfristige Glamping-Trip mit ihrer Freundin fast nicht stattgefunden hätte. Als Zorie am Tag der Abreise dann aber sieht, dass ehemals-bester-Freund-und-vielleicht-sogar-mehr-Lennon ebenfalls mitkommt, würde sie am liebsten wieder kehrt machen. Allerdings möchte sie dem Familienchaos ebenfalls nicht gegenüber treten …

Ich habe dieses Buch begonnen, weil ich mir von der Inhaltszusammenfassung eine gewisse Chemie zwischen Zorie und Lennon versprochen habe (Meine vielgeliebte Hass-Liebe!) und außerdem unbedingt ein Buch lesen wollte, in dem die Hauptfiguren campen gehen.

Zorie und Lennon sind der Fokus der Buches, das Ganze spielt vor der wunderschönen Kulisse des King Forest National Parks in Kalifornien. Obwohl Zorie und Lennon nicht mehr miteinander reden herrscht da eine gewisse Spannung zwischen ihnen, die das ganze Buch durchzieht. Der Mix aus Ungesagtem, Gefühltem und Erlebtem hat einen bittersüßen Schmerz verursacht und war genau das, was ich haben wollte. Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt und jeder kann als ein Teil von Zories Entwicklung betrachtet werden. Da nur Zorie erzählt, ist es auch sie die die größte Entwicklung durchmacht, der Rest der Figuren war schon sehr gefestigt. Ich mochte ihre Erzählstimme sehr gerne, sie ist witzig und sarkastisch und vereint die allgemeinen Charakteristika eines jeden Mädchens mit den Besonderheiten ihrer Person sehr gut, ich denke, dass jeder sich mit Zorie auf dem ein oder anderen Level identifizieren könnte. (Das sollte allerdings nicht als Garantie betrachtet werden, das ist nur eine bescheidene Einschätzung meinerseits.)

Wenn ich mit einigem Abstand dieses Buch betrachte, dann fühlt es sich allerdings so an, als habe die Autorin sämtliche „besondere“ Elemente, die momentan in der literarischen Welt herumgeistern, genommen und in dieses Buch geschmissen. Zorie (Deren Namen ich übrigens irre cool finde.) ist eine ambitionierte Streberin mit einem zwanghaften Wesen, hat eine wunderbare Beziehung zu ihrer Stiefmutter und kämpft mit den sozialen Gruppierungen ihrer kleinen Welt ebenso, wie viele andere Jugendliche auch. Lannon trägt grundsätzlich nur schwarz, hat einen trockenen Humor und hegt eine große Liebe für Reptilien jeglicher Art. Seine Mütter (Richtig gelesen, ich buchstabiere es aber auch gerne nochmal: L-E-S-B-E-N.) betreiben einen Erotik-Artikel-Laden. So aus dem Kontext gerissen klingt das erstmal sehr gewollt und auch ein wenig trashig, ich finde allerdings, dass die Autorin es wirklich gut gemacht hat, diese Elemente natürlich wirken zu lassen.

Das Buch wurde übrigens sehr schön illustriert, als Bezug auf eine der Figuren.

Das Schöne an diesem Buch ist, dass es viele Probleme gleichzeitig anspricht, allerdings nicht jedes davon so ausführlich behandelt, wie ich es gerne hätte. (Das war weniger schön.) Das beginnt bei einer offenbar verkappten Beziehung von Zorie zu ihrer leiblichen Mutter, die während des ganzen Buches nicht einmal mit Namen erwähnt wird, sondern nur auf ihren Part bei Zories Entstehung und den Umzug in die Melita Hills reduziert wird. Das geht weiter mit dem homophoben Verhalten ihres Vaters gegenüber den Müttern von Lennon, das extrem gemein und beleidigend ist und zu dem Zorie sich nie direkt äußert. Und es endet bei der stereotypischen Rahmenhandlung die mal wieder die Junge-rettet-Mädchen-Thematik aufgreift.

Ich gebe zu, dass das eine Menge Gemecker ist für ein Buch, dass ich eigentlich sehr gerne mochte. Allerdings bin ich der Meinung, dass, wenn man solche Thematiken in sein Buch einfließen lässt, sie auch ordentlich aufrollt und nicht nur hier und da mal etwas dazu „fallen“ lässt. Ich könnte argumentieren, dass der sensible Leser bereits dazu eine Meinung hat und weniger auf die der Hauptfigur angewiesen ist. Doch sollte Zorie selber auch eine Meinung zu diesem Thema haben, oder? Ich hätte zumindest gerne etwas zu ihrem inneren Kampf von Vaterliebe vs. homophobes Verhalten gelesen. Gerade jetzt, wo so viele Menschen sich für LGBTQ+ aussprechen und die Toleranzgrenze verschoben wird.

Die Beziehung von Lennons Müttern wird ganz toll natürlich und unkompliziert dargestellt, ich habe Sunny und Mac richtig lieb gewonnen. Zudem mochte ich auch sehr, wie cool mit dem Thema Erotik-Shop umgegangen wird. Ja, es wird nicht unter den Tisch fallen gelassen, aber auch nicht überdramatisiert. Es ist ein Geschäft und wird als solches behandelt. Einzig Zories Vater stört sich daran und das es von zwei Lesben geführt wird. Auch die Beziehung von Zorie und ihrer Stiefmutter Joy ist wunderbar, ich rede von Gilmore-Girls-Level-wunderbar. Das sollte es öfters geben in YA-Büchern.

Wow, eigentlich wollte ich das Buch für seinen Witz und Charme loben und die Figuren ein bisschen fangirlen, aber irgendwie haben diese Nebenhandlung die Rezension komplett an sich gerissen.

Was ich eigentlich sagen will, ist, das, wenn ihr nach einem süßen Sommerbuch sucht Starry Eyes definitiv in eure engere Auswahl kommen sollte, ihr euch aber auch über diese Nebenhandlungsprobleme bewusst sein solltet, sonst könnte es ein böses Erwachen geben.

Ich hatte während des Camping-Trips viel Spaß mit Zorie und Lennon und auch, wenn Madame sich manchmal echt wie ein Mädchen verhält, denke ich, dass man es ihr nachsehen kann. Da Zorie noch nie in ihrem Leben campen war und allgemein nicht viel mit der Natur am Hut hat, ist ein gewisses Verhalten irgendwo verständlich. Auch Lennon ist erst ein Experte seit er sich intensiv damit beschäftigt hat, das nimmt den Druck von Zories Unwissenheit ein wenig. Denn das ist kein süßes Campen auf einem dafür vorgesehenen Platz, sondern teilweise echt Krass (Gewitterstürme, zu zutrauliche Wildtiere, Orientierungsschwierigkeiten) und ich habe nun starken Respekt vor der Natur Kaliforniens. Diese mehr oder weniger erzwungene Zweisamkeit von Zorie und Lennon führt dazu, dass sie endlich mal all das ansprechen, was im letzten Jahr zwischen und um sie herum passiert ist und einige Geheimnisse kommen ans Licht.

Long story short: Lest dieses Buch, wenn ihr einen witzig, kurzweiligen Zeitvertreib haben wollt und ein bisschen Fernweh habt, dann kommt ihr auf jeden Fall auf eure Kosten.


Autor*in: Jenn Bennett • Titel: Starry Eyes • Verlag: Simon Pulse • Seiten: 432 • Format: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, Taschenbuch (UK), eBook • Preis: ca. 15€ (GB), 7,99€ (TB), 6,73€ (ePub) • Erscheinungstermin: 3. April 2018 • Neugierig? Thalia.de | Amazon.de

3 thoughts on “[Rezension] Starry Eyes”

  1. So geht’s mir so oft, wenn ich ein Buch eigentlich echt mag und mich dann an Details auslasse, die Rezension lese und mir denke: Das war jetzt irgendwie negativer als geplant… 😀
    Das Buch klingt auf jeden Fall nach einem richtig guten Buch für zwischendurch und hätte ich meinen Bedarf an Contemporary nicht langsam gestillt, nachdem ich zehn Tage lang exzessiv nichts anderes gelesen habe, bin ich sicher, das Buch wäre schon in meinem Warenkorb gelandet, weil meine Selbstbeherrschung was Buchkäufe angeht diesen Monat katastrophal ist – so ist das Buch aber auf jeden Fall auf die Wunschliste gewandert 🙂 Annähernd Alex von der Autorin mochte ich nämlich auch sehr gerne. Aber kennst du das, wenn man ein Buch von einem Autor kennt und Angst hat zum nächsten zu greifen, weil man befürchtet das zweite wird nicht ans erste rankommen? Ich glaube das habe ich gerade mit Starry Eyes, obwohl es eigentlich total nach etwas klingt, das ich mögen könnte 😀

    Liebe Grüße,
    Katharina

    1. Hi, ja, also irgendwie kenne ich deine Angst, um das neue Buch, dass den Anforderungen nicht gerecht wird. Allerdings habe ich scon lange nicht mehr deswegen gezögert ein Buch zu lesen. Sonst hätte ich niemals Herz aus Schatten lesen können. 🙂
      Egal wann du Starry Eyes liest, ich freue mich, wenn ich die begeistern konnte. Es nervt mich fast ein wenig, dass die Rezension so negativ klingt, aber ich konnte diese kleinen Probleme nicht weglassen, oder? Mich hat es beim Lesen dann zumindest interessiert/gestört und es war ja Teil der Leseerfahrung, deswegen gehört es doch in die Rezi rein, oder? Aber es ist echt schrecklich, wenn da plötzlich so voel Gemecker aus einem rauskommt, als hätte sich das Unterbewusstsein gegen einen selbst verschworen.
      Erstaunlicherweise habe ich aktuell gar kein großes Buchkaufbedürfnis – okay, das ist gelogen, ich habe IMMER ein Buchkaufbedürfnis, aber es ist nicht so stark wie sonst. Ich schiebe das jetzt mal auf die kommenden Klausuren.

      Alles Liebe, Frizzi.

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