Nach meinem Vorbestellungs-Fail (Ich dachte, ich hätte das Buch vorbesellt, weswegen ich es auf der LBM nicht signiert gekauft habe. War dann doch nicht so.) musste ich das neue Buch von Laura Kneidl ganz fix über das große A ordern, damit ich es noch vor meinem Urlaub lesen konnte. Denn natürlich hat mich die Neugier fast umgebracht und ich wollte partout nicht warten.

Kayla lebt als Monsterbändigern in der letzten Stadt  Praha. Praha wird langsam von Monster umzingelt, die aus dem angrenzenden Wald kommen und die Stadt überfallen. Trotz der hohen Mauer müssen die Bändiger täglich ausziehen, um die Monster zu bekämpfen, denn sie sind als einzige in der Lage einige an sich zu binden und so zu befehlen. Denn nur Monster können Monster töten. Aber dann taucht plötzlich eine neue Monster-Rasse auf, ausgerechnet dann, als Kayla sich entcheiden muss: Will sie eine Bändigerin sein oder ein Feigling?

Ich war so gespannt auf dieses Buch, dass ich mit einer Enttäuschung gar nicht gerechnet habe. Ich habe ein paar Rezension gelesen und da gab es durchweg positive Meinungen, immerhin schreibt Laura Kneidl seit Jahren tolle Bücher. Ich war von ihrer New-Adult-Dilogie so begeistert, dass ich eine – für mich – Verschlechterung nicht in Erwägung gezogen habe.

Ich mag die Welt von Praha und den Monstern. Die Monster, die vorkommen, sind wahnsinnig faszinierend und düster, das hat mir richtig gut gefallen. Sie sind an die vier apokalyptischen Reiter angelehnt und daraus sind ein paar tolle Figuren entstanden. Leider werden sie von den meisten Bändigern nur als Werkzeug gesehen und auch dementsprechend behandelt. Dass sie die Monster mit ihrem Geist versklaven hat mir schon einen Schauer über den Rücken gejagt, denn Gedankenkontrolle ist für niemanden schön. Nach all den Jahren des Erfolges sind die Bändiger ein ziemlich selbstbewusstes Völkchen geworden und kommen mit Konkurrenz nicht zurecht. Weder untereinander noch mit der „Wilden Jagd“ – einer Randgruppirung, die als Nicht-Bändiger versucht sich gegen die Monster zur Wehr zu setzen.

Ich hätte gerne mehr über die Monster und ihre Geschichte gelernt, aber leider hat Protagonistin Kayla das alles als unwichtig empfunden und lieber ihren Unterricht geschwänzt. Sie will keine Bändigerin sein, sie findet die Verwantwortung zu groß und schrecklich und versucht ihre Ausbildung zu sabotieren, um der Akademie verwiesen zu werden. Ihr Vater, der praktischerweise der Direktor ist, lässt das natürlich nicht zu und Kayla gibt ihm gegenüber immer nach. Da bringt sie schon zum Audruck, wie sehr sie ihn und alles wofür er steht verabscheut und kann ihm dann trotzdem nicht die Meinung sagen? Mein 17-Jähriges-Ich wäre da schon längst explodiert.

Neben Kayla wird die Geschichte auch mal aus der Sicht ihres Monster, einem Schattenwolf erzählt, was ich sehr spannend fand, allerdings ein wenig umstädlich formuliert wurde. Ich habe dem Schattenwolf seine Figur nicht abgekauft, diese merkwürdige Monster-POV kam mir sehr stereotypisch und unsauber vor.

Ein weiterer spannender Aspekt war die „Wilde Jagd“. Laura Kneidl zeigt in diesem Buch einen Machtkonflikt, der von beiden Seiten wahnsinnig schlecht gehandhabt wird. Allgemein schien in dem Buch viel mehr Politik zu stecken, als ich vermutet habe und das hat mir überraschender Weise sehr gut gefallen. Laura Kneidls Darstellung dieses Konfliktes fand ich sehr gut.

Kaylas Familie fand ich sehr vorbildlich, denn ihre Mutter hat eine Lebenspartnerin und steht ganz offen dazu. Ihr Adoptivbruder Marek liebäugelt während des Buches immer mehr mit der wilden Jagd und nutzt Kayla für ihre Verbindungen zu den Bändigern ziemlich aus. Was ihr natürlich voll egal ist. Kayla hat eine mir-doch-egal-Einstellung, die ihr mehrmals im Laufe der Handlung auf die Füße fällt und zudem geht sie recht freizügig mit geheimen Informationen um und sorgt so für Konflikte. Ihre Unbedachtheit hat mich irre gemacht und während des ganzen Buches wurde sie mir nicht sympathisch.

Der Spannungsbogen war trotzdem super und ich mochte das Ende recht gerne, dennoch hätte ich mir an einigen Stellen mehr Erklärungen gewünscht. So zum Beispiel zu Praha selbst: Scheint die Stadt irgendwie Wirtschaftlich im Mittelalter zu stecken, war ich immer wieder verwirrt, wenn die Rede von Bluttests und Lichtschaltern war. Das hat mit dem allgemeinen Bild, dass man von Praha vermittelt bekommt, nicht überein gestimmt. Auch Kayla hätte ich gerne mal öfter erklärt bekommen, ich mochte sie zum Großteil nämlich nicht, weil ich sie einfach nicht nachvollziehen konnte. In Berühre mich. Nicht und Verliere mich. Nicht hat die Autorin die Figuren so gut ausgearbeitet und vorgestellt, dass ich mir das bei Kayla auch gewünscht habe. So blieben die Figuren irgendwie eindimensional, mit einem Ziel, einer Motivation und scheinbar keinerlei Hintergedanken.

Herz aus Schatten war leider nicht das Buch, dass ich mir erhofft hatte, was allerdings nur eine persönliche Vorliebe ist. Es ist kein schlechtes Buch, nur war es leider kein Buch für mich.


Autor: Laura Kneidl • Titel: Herz aus Schatten • Verlag: Carlsen • Seiten: 464 • • Format: Taschenbuch mit Klappenbroschur, eBook • Preis: 12,99€ (TB); 9,99€ (ePub) • Erscheinungstermin: 21. März 2018 • Neugierig?

6 thoughts on “Herz aus Schatten von Laura Kneidl”

  1. Das mit den Erwartungen ist echt immer so ein Ding 😀 Ich hatte eigentlich gar keine Erwartungen an das Buch, weshalb es mich positiv überrascht hat – wobei ich einige deiner Kritikpunkte auch nachvollziehen kann -, aber ich kenne das nur zu gut, wenn man sich auf ein Buch freut und schon recht viel im Vorfeld geteasert kriegt und dann ist es nicht so wie man erwartet und ist eher enttäuscht.

    1. Hallo!
      Ich hatte eigentlich auch keine konkreten Anforderungen an das Buch, schon gar nicht was Kayla und Lilek angeht, aber ich hatte mir so gewünscht, dass sie einfach die Emotionalität aus ihrer New Adult-Reihe hier übernimmt. Ich hatte bisher immer Schwierigkeiten mich in ihre Figuren hinein zu versetzen, bis eben ihre New-Adult-Dilogie kam, da hat es dann endlich „klick“ gemacht. Aber gut, man kann ja nicht alles haben. Vielleicht lese ich es auch nochmal in Ruhe, dann sehe ich vieles vielleicht auch anders.
      Auf jeden Fall sage ich „Danke“ für deinen Kommentar, ich habe mich sehr darüber gefreut.
      LG Frizzi.

  2. Huhu 🙂
    Auch wenn ich von der Autorin selbst noch nichts gelesen habe, finde ich es immer schade, wenn ein Buch die Erwartungen nicht ganz erfüllt. Deine Rezension dazu finde ich aber trotzdem super 🙂
    Es klingt auch echt nach einem interessanten Buch, nur den „Praha“ finde ich irgendwie nicht so prickeln, weil man auf Deutsch doch eher Prag sagt und „Praha“ hier irgendwie erzwungen klingt. Aber für den Namen kannst du ja nichts und deine Rezension ist auf alle Fälle toll 😀

    Alles Liebe,
    Smarty

    1. Hallo Smarty,
      Vielen Dank für deine lieben Worte. Ich habe während des Schreibens auch echt mit mir gehadert, wie ich manche Dinge ausdrücken soll, denn letztendlich kann die Autorin – die auch noch super nett ist – ja nichts dafür, wenn es mir einfach nicht zusagt. Dafür gibt es aber andere Werke von ihr, die ich sehr mag. An den Namen „Praha“ habe ich mich recht schnell gewöhnt, es soll ja auch ein alternatives Prag sein.

      Ganz liebe Grüße an dich,

      Frizzi.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: