Ich habe streitlustige Liebesgeschichten schon immer gemocht. Das ist es, was ich an Pärchen besonders mag: Wenn sie keine Angst haben einander die Meinung zu sagen, dass sie ausflippen können und trotzdem noch witzig sein. Ich mag es Emotionen auf diese wilde Art zu sehen. Deswegen habe ich mich auf den dritten Teil der First-Reihe auch so gefreut. Er handelt von Tate und Trevor, die bei ihren Freunden nur als TNT bekannt sind – als explosive Mischung.

Tate hatte mal einen großen Bruder – James. Doch als er unter ungeklärten Umständen starb änderte sich für sie vieles. Und sie selbst änderte sich auch. Eine angriffslustige, intensive Tate lebt das Leben nun in vollen Zügen, mit allen Höhen und Tiefen. Da passt ihr ihr selbsternannter Beschützer Trevor gar nicht in den Kram. Und obwohl er sie regelmäßig irre macht, kann sie diese spezielle Novembernacht nicht vergessen …

Ich zähle Bianca zu meinem Lieblingsautorinnen, weil sie irgendwie immer schreibt, was ich gerade brauche und dabei nicht zu sehr ins Dramatische abrutscht. Karten auf den Tisch: Dieses Buch ist sehr dramatisch. Aber auf eine sehr erwachsene, ernste Art. Tate und Trevor sind schon ein wenig bekannt, allerdings kann man super als Neu-Leser in das Buch starten, da die Figuren natürlich nochmal vollständig vorgestellt werden.

Dieses Buch lebt durch seine zwei Hauptfiguren: Die kampflustige, mutige Tate und den ruhigen, grüblerischen Trevor. Wieder ein Pärchen das zeigt, dass Bad-Boy und Good-Girl nicht der Standard für Liebesromanzen sein müssen, dass auch Frauen den ersten Schritt machen können, forsch sein können und Männer das Recht haben Situationen zu analysieren und zu interpretieren.

Das eigentliche Thema des Buches ist sehr erwachsen und beschäftigt sich mit einem emotional aufwühlenden Thema. Der Tod von Tates Bruder hat ihre ganze Welt auf den Kopf gestellt und sie hat dementsprechend gehandelt. Eigentlich hat sie ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet diese Ungerechtigkeit aufzuklären und das finde ich sehr stark und nachvollziehbar. Ein weiteres Thema in dem Buch sind Drogen- und Alkoholkonsum. Jeder der schon einmal jemanden plötzlich verloren hat, wird diese überwältigende Gefühlswelt, derer sich Tate ausgeliefert sieht, verstehen können und ihren Drang zu vergessen. Auch wenn Tate ein paar schlechte Entscheidungen trifft, was Vergessen und Bewusstseinsverändernde Mittel und die Kombination dessen angeht, hat es sie nie beherrscht, sie war in der Lage ohne all diese Mittel zu funktionieren. Trotzdem gab ein paar haarscharfe Situationen in dem Buch.

Trevor hingegen arbeitet hart an sich, um auf eine ganz andere Art zu vergessen. Der sonst so ruhige Kerl hat eine brodelnde Wut und Trauer in sich, die er entsprechend aufarbeitet. Ich hätte ihm niemals zugetraut, was er da tut, aber es ist unglaublich faszinierend! Trevor sollte man nicht unterschätzen.

Ein paar kleinere Dinge, die ich toll fand sind, dass TNT kein schlechtes Verhältnis zu ihrer Familie haben, sondern ein sehr Gutes. Viel zu oft werden Eltern verteufelt in New Adult Romanen und ich feiere jedes Buch, das nicht so funktioniert. Ebenfalls schön zu lesen war, dass Lernen tatsächlich Teil des Studiums in diesem Buch ist, dass TNT viele Stunden in der Bibliothek verbringen müssen und wollen. Das war wirklich sehr motivierend.

Neben einem angenehm lockeren, selbstkritischen und frechen Schreibstil fand ich in Die letzte erste Nacht besonders die Dialoge der Figuren super, sie waren ein wenig schlagfertiger als bei den anderen Pärchen, was vor allem am Charakter von Tate lag.

„Du kannst ihn nicht für den Rest deines Lebens ignorieren.“ – „Ach nein?“ Ich warf ihm einen herausforderndes Lächeln zu. „Sieh zu und lerne.“  – S. 367

Die sehr fesselnde Handlung führte außerdem dazu, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte, bei Tates Ermittlungen musste ich einfach dabei sein und das so schnell wie möglich. (Wer gerne Krimi-Serien guckt, wird hier seinen Spaß haben. Ich musste immer an Castle denken.) Die ganze Geschichte, die dabei ans Licht kommt hat mich zudem sehr überrascht, mit einer solchen Detailgenauigkeit hatte ich nicht gerechnet und auch wenn ich ab einem bestimmten Punkt vorhersagen konnte, was passiert ist, gab es immer noch kleine Details zu erfahren. Ich mag einen solchen Rätsel-Stil ganz gerne und fand es toll, was die Autorin sich da ausgesucht hat. Wieder einmal beweist Bianca Iosivoni ihr Geschick für Grauzonen und die Frage nach Schuld und Unschuld, was ich schon an ihrem Lyx-Debüt Was auch immer geschieht geliebt habe.

Da das große Thema des Buches Vergeben und auch Vergessen ist, ist mir ein Satz ganz besonders im Kopf hängen geblieben, den ich immer noch nicht ganz für mich entschieden habe.

„Letzten Endes geht es gar nicht ums Vergeben und Vergessen.“ […] „Es geht darum, ob du diesen Menschen weiterhin in deinem Leben haben willst oder nicht. Wenn du das ganz ehrlich beantworten kannst, dann stellt sich die Frage nach dem Verzeihen gar nicht mehr.“  – S. 385/386

Der letzte Punkt, den ich ansprechen möchte, ist die Freundschaft. Die Clique ist ein wesentlicher Bestandteil der Firsts-Reihe und jedes Buch fühlt sich wie Nachhause-kommen an. Das sind wahnsinnig nette Menschen, die sich umeinander kümmern, den Rücken freihalten und auch mal einen der ihren verteidigen. Solche Freundschaften gibt es meiner Meinung nach ganz selten und ich freue mich, dass sie in jedem der Bücher eine so große Rolle spielen.

Ich mochte Die letzte erste Nacht richtig gerne und freue mich jetzt doch auf Masons Buch, Der letzte erste Song das Ende November erscheinen wird.


Autor*in: Bianca Iosivoni • Titel: Die letzte erste Nacht (Firsts-Reihe #3) • Verlag: LYX •  Seiten: 393 • Format: Taschenbuch mit Klappenbroschur, eBook • Preis: 10,00€ (TB); 8,99€ (ePub) • Erscheinungstermin: 25. Mai 2018 • Neugierig? Amazon.de ¦ Thalia.de

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