Ich höre recht selten Hörbücher, weil ich meistens Probleme mit den Sprechern habe. Aber da ich auf Spotify gerade ganz viele tolle Hörbücher gefunden habe, die ich unbedingt kennen möchte, habe ich mich mal durchprobiert und bin bei Scythe von Neal Schusterman hängen geblieben. Ich höre vor allem gerne auf langen Autofahrten Hörbücher, weil mir Radio nach einer Weile auf den Keks geht. Und dieses Hörbuch konnte ich nicht mehr ausschalten. Deswegen gibt es heute eine Hörbuch-Rezension.

Citra und Rowan leben in einer Welt in der es keinen natürlichen Tod mehr gibt. Die Menschheit hat für alles eine Lösung gefunden. Aufgrund einer drohenden Überbevölkerung gibt es eine Gruppe von Menschen, die die Rolle des Todes übernehmen: Die Scythe. Diese haben eine Lizenz zum Töten, was allgemein als Nachlese bekannt ist. Und obwohl Citra und Rowan die Arbeit der Scythe verabscheuen, werden sie von einem Scythe ausgewählt, die Ausbildung zu durchlaufen. Und diese gestaltet sich sehr viel schwieriger, als sie jemals ahnen konnten. 

Das Hörbuch wird von mehr als einem Sprecher gelesen. Es gibt einen Hauptsprecher (Torsten Michaelis), der die Kapitel vorliest und dann gibt es noch die Sprecher, die die individuellen Stimmen einiger Figuren vertonen. Das Buch ist dabei in normale Kpaitel eingeteilt, die die Handlung erzählen und in kleine Zwischenkapitel, die aus Tagebucheinträgen bestehen. Denn jeder Scythe oder Scythe-Lehrling muss Tagebuch führen um seine Gedanken bezüglich des Scythe-Tums festzuhalten.

Ich war während des Hörens zwar wie gefesselt, aber gleichzeitig auch ziemlich abgestoßen. Denn in Mid-Merika ist Sterben praktisch zu einem Hobby geworden, da es ärztliche Einrichtungen gibt, die beinahe jeden Tod rückgängig machen können. Das nutzen die Menschen aus Langeweile und fehlender Aufmerksamkeit aus, sie sterben zum Spaß, das nennen sie „Platscher“ weil sie meist von Hochhäusern springen. Dann können sie ihr Erscheinungsbild verjüngen lassen, bis sie ungefähr wieder wie zwanzig aussehen, das nennen sie „über den Berg kommen“. So können sie locker zweihundert Jahre alt werden. Einzig der Geist altert also und das führt oft zu Gleichgültigkeit allem und jedem gegenüber. Nur die Scythe haben die Macht ein Leben dauerhaft zu beenden und dabei haben sie freie Hand. Sie können entscheiden wer, wo und wie ein Mensch sterben soll und müssen niemandem Rechenschaft ablegen. Das heißt im Klartext, dass sie auch Kinder töten können, wirkliche Kinder, die vielleicht gerade mal fünf Jahre alt sind. Und das finde ich absolut falsch. Sie müssen sogar eine Quote einhalten, wie viele Menschen sie jährlich nachlesen. Es gibt Scythe die ausschließlich Menschen töten, die sowieso nicht mehr leben wollen, es gibt einige die durch Statistiken entscheiden, wer stirbt und dann gibt es natürlich auch die Scythe, die absolut willkürlich und brutal töten. So nach dem Prinzip „Mord ist ihr Hobby“.

Durch Citra und Rowans Augen beginnt der Leser/Hörer zu verstehen, warum Scythe wichtig sind, aber gleichzeitig auch, wie viel im Scythe-Tum falsch läuft. Denn natürlich hat der Mensch immer noch seine Makel, dazu gehört auch ein Kampf um die ultimative Macht und viele Scythe sehen sich in der perfekten Position dafür.

Ich kann zu diesem Buch sagen, dass es grandios ausgeführt worden ist. Eine aktuelle Unterhaltungsliteratur, die alle Ansprüche des Lesers erfüllt. Es gibt spannende Figuren, die nicht immer nur schwarz-weiß sind oder denken; es gibt eine spannende Handlung; einen ebenso spannenden Konflikt und allgemein sehr viel Spannung. Ein Event hat das andere gejagt, die Figuren kamen nicht zur Ruhe. Der Hauptsprecher hat in einem angenehmen Tempo gelesen und den Figuren in der wörtlichen Rede individuell dargestellt und deren Emotionen wunderbar vertont. Natürlich muss es auch eine Liebesromanze geben, wobei diese aber sehr klein gehalten ist und eher ein Bonus ist, als Bestandteil der Handlung. Und ich habe mich schon gefragt, wo die Gefühle plötzlich herkommen. Für mich ab es dafür kaum Anzeichen, geschweige denn Gründe.

Allerdings gibt es für mich doch ein Problem mit dem Buch: Die Moral. In einer Dystopie nach Moral zu suchen, ist eigentlich ein verlorener Kampf, aber allein das Gedankenspiel, das diesem Buch als Basis dient ist mir „zuwider“. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Ich finde, man sollte dem Menschen nicht das Einzige wegnehmen, dass ihm Einhalt gebietet. Denn letztendlich kann der Tod jeden stoppen. Und wenn dem Menschen diese Angst genommen wird, passiert genau das, was Citra und Rowan in Scythe lernen müssen. Das Buch ist also ein wunderbares Beispiel, und doch mag ich es nicht. Das ist total widersprüchlich, aber stellt es euch so vor, als wenn euer schlimmster Albtraum wahr geworden wäre. Es ist gleichzeitig faszinierend und schrecklich.

Ich würde gerne über so Vieles schreiben, das passiert ist, aber dann würde ich einfach zu viele Handlungselemente verraten. Ich bin nach diesem Buch erschüttert gewesen, da es meinen Glauben an die Menschheit und das Gute in ihr so ziemlich zerstört hat. Denn nur wenig in diesem Buch ist fiktional. So viele Figuren und Charakterzüge spielen auf unsere heutige Welt an, dass ich eigentlich nur schreien möchte. Scythe – Die Hüter des Todes kann vielen Menschen viel zeigen, aber eben nicht nur Gutes.

Dieses Buch ist also mit ein bisschen Vorsicht zu genießen, aber dennoch lesenswert.


Autor: Neal Schusterman • Titel: Scythe – Die Hüter des Todes • Verlag: Argon Hörbuch • Länge: 9 h 4 min • Format: 2 MP3 CDs • Preis: 15,99€ • Erscheinungstermin: 21. September 2017 • Neugierig?

4 thoughts on “Scythe: Hüter des Todes von Neil Schusterman”

  1. Uh, das ist ja mal eine interessante und etwas andere Prämisse für eine Dystopie. Muss ich mir auf jeden Fall mal näher ansehen 🙂

    Liebe Grüße,
    Smarty

    PS: Vergiss nicht, mir bis Mittwoch deine Buchwahl für die Must-Read Blogtour per Mail zu schicken 🙂

    1. Hi!

      Ich arbeite (gedanklich) schon ganz fleißig an meinem Beitrag. 😏 Danke für deinen lieben Kommentar, das Buch spielt auf jeden Fall mit ein paar interessanten Ansätzen.
      LG

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