Manchmal – okay, eigentlich sehr oft – verstehe ich mich und mein Leserverhalten nicht wirklich. Als ich Illuminae gelesen habe, war Gemina bereits erschienen und trotzdem habe ich fast ein Jahr gewartet, ehe ich es gelesen habe. Warum?! Ich habe Illuminae geliebt, es gab keinen Grund, dieses Buch nicht zu lesen. Zumindest habe ich es jetzt geschafft.Eigentlich ist Hanna Donnellys Leben super: Sie hat einen süßen Freund, versteht sich mit ihrem Papa super und lebt leider … mitten im All. Die Raumstation Heimdall schützt und reguliert ein Wurmloch, dass den Zugang zu einigen Planeten-Systemen bietet. Auch Kerenza zählt zu diesen Planeten. Während von Kerenza sich ein ehemaliges Forschungsschiff dem Wurmloch nähert, bekommt die Heimdall Besuch von einer sehr speziellen Gruppe. Und Hanna arbeitet plötzlich mit dem unverbesserlich flirtenden Nik Malikov zusammen, um die Menschen der Heimdall zu beschützen. 

 

Um niemanden in die Irre zu führen – Ich habe Gemina auf Englisch gelesen. Illuminae habe ich vor fast einem Jahr gelesen und ich musste mich erstmal wieder an die Abkürzungen der Computersprache gewöhnen, genau wie an den ganzen Fachjargon. (leo.org war mein Freund.) Letztendlich kam ich aber schnell wieder rein und musste mich meinem größten Gegenspieler stellen: Dem Ekel. Denn in Gemina treffen wir auf eine Alien-Spezies die nicht lecker ist. Leider habe ich mit Aliens sehr schlechte Erfahrungen gemacht (aka Alien vs. Predator) und diese Exemplare waren auch nicht besser. Ich war ab da dann in einem kleinen Zwiespalt: Ich wollte weiterlesen und dann auch wieder nicht. Allerdings hat sich meine Paranoia als unbegründet herausgestellt, denn das Autoren-Duo hat das Buch nicht in die Richtung driften lassen, die ich befürchtet hatte.

Unsere Protagonisten sind diesmal Hanna und Nik, zwei Figuren, die aus zwei sehr unterschiedlichen sozialen Schichten kommen. Nik gehört mit seinem Nachnamen Malikov nämlich dem House of Knifes an, einer Mafia-Organisation, die eigentlich nicht an Bord der Heimdall-Station sein dürfte. Sie sind unregistrierte Bewohner und betreiben einen regen Drogenhandel in allen Schichten der Station. Hanna ist eine der privaten Kunden die Nik versorgt, denn sie ist die Tochter des Stations-Leiters und sollte von den illegalen Machenschaften des HoK eigentlich nichts wissen. Da Nik aber scharf auf ein Date mit Hanna ist, ignoriert er diese Tatsache und verspricht ihr eine Dosis der Droge am Feiertag „Terraday“. Der Terraday verläuft aber ganz anders als geplant und mit ihm sämtliche Probleme, die Nik und Hanna bisher hatten.

Ich habe von vielen Lesern gehört, dass sie Nik und Hanna weniger mochten als Kady und Ezra. Klar, kann ich verstehen, denn die süße und zarte Romanze von Kady und Ezra hat mit der Beziehung von Hanna und Nik nichts gemeinsam. Auch sind es zwei neue und grundverschiedene Figuren, die meiner Meinung nach auf eine eher breiteres Publikum abzielen, als Kady und Ezra es getan haben. Das Klischee von Bad-Boy und Good-Girl kennt man ja schon aus diversen NA-Romanen, aber was soll ich sagen, es funktioniert. Ich mochte beide sehr gerne und hatte persönlich kein Problem damit, dass sie in ein mir bekanntes Schema passen. Das Setting und die Umstände ändern die Entscheidungen, die sie treffen und geben ihnen einen sinnvollen Handlungsbogen. Auf der Pinterest-Wand von Amie Kaufman und Jay Kristoff ist ein Bild der Protagonisten zu finden und passenderweise haben sie Nik an Bellamy Blake aus The 100 angelehnt. Und das beschreibt Nik schon ziemlich gut. Er ist draufgängerisch, sexy und weiß, was er will. In diesem Fall: Hanna. Aber auch Nik trägt sein Päkchen an Gewissensbissen mit sich herum und im Laufe des Buches lernt man eine Menge über ihn.

Hanna fährt alle Geschütze auf, die eine Protagonistin haben sollte: Sie kann den Leuten in den Arsch treten; ist schlau und ehrlich und steht nicht bei der ersten Gefahr schreiend in einer Ecke. (Das tat Kady zwar auch nicht, aber – ihr wisst schon. Die meisten Mädchen in Hannas privilegierter Position würden so reagieren.) Hanna trainiert jegliche Kampfsportart, die man an Board der Heimdall trainieren kann und spielt mit ihrem Vater Kriegs- und Strategiespiele. Sie ist also strategisch geschult, verliert somit nicht ihren Kopf, sobald es brenzlig wird und zögert nicht sich und andere zu verteidigen. Es hat mir großen Spaß gemacht, Hanna zu begleiten und ihren Werdegang zu sehen. Für mich hat sie das Potential zu einer meiner liebsten Figuren zu werden.

Ich will natürlich nichts über den Plot verraten (Außer dem, was man bereits durch den Klappentext erfährt.), aber ich kann euch sagen, dass das letzte Drittel des Buches mich absolut überzeugt hat und denselben mind blowing Effekt wie auch Illuminae hatte. Als Leser weiß man zwar immer ein bisschen mehr, als die Figuren, kann dadurch aber auch schnell in die Irre geleitet werden. Ich fand es sehr cool, wie die Autoren mit Informationen und der tatsächlichen Wahrheit gespielt haben. Es war spannend zu sehen, wie sehr wir Menschen uns doch auf Protokolle und Videoaufnahmen verlassen und sobald irgendwo ein offizieller Stempel drauf ist, die Quelle nicht mehr hinterfragen. Die Akten und Chatverläufe, in die man als Leser Einblick erhält, sind super spannend gewesen und ich finde, dass mit Gemina die Reihe würdig fortgesetzt wurde und bin sehr froh, dass es bis Obsidio nur noch zwei Monate sind.

Übrigens: Als aufmerksamer Leser kann man das ein oder andere Easter-Egg im Buch finden- Schon spannend, wer so alles in diesem Buch aufgetaucht ist.


Autoren: Amie Kaufman & Jay Kristoff • Titel: Gemina (The Illuminae Files_02) • Verlag: Knopf Books for Young Readers • Format: Gebunden mit Schutzumschlag, Taschenbuch, eBook • Preis: 13,99€ (HC); 8,99€ (TB); 5,99€ (ePub) • Erscheinungstermin: 18. Oktober 2016 • Neugierig?

3 thoughts on “[Rezension] Gemina (Illuminae Files_02)”

    1. Ohh, Dankeschön! Ich war mir gar nicht so sicher, ob diese Rezension irgendwas aussagt, weil ich das Gefühl hatte, mich dauernd zu wiederholen. Ich wünsche dir mit Obsidio viel Spaß, ich bin gespannt, wo das alles Enden wird.

      LG Friederike

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