Fröhliches neues Jahr! Ich hoffe, ihr hattet einen guten Start in 2018.

Das erste Buch zu sein, dass ich 2018 beendet habe, ist eine Ehre. Oder so. Leider hat sich „Rette mich vor dir“ ganz anders entwickelt, als ich es mir gewünscht hätte.

Juliettes und Adams Flucht vor dem Reestablishment hat sie in den Rebellenstützpunkt Omega Point geführt, wo sie sich endlich sicher und verstanden fühlen. Juliette ist nicht die Einzige mit besonderen Fähigkeiten und soll sich mit ihrer Gabe vertraut machen. Doch sie kommt nicht zur Ruhe, denn ihre Beziehung zu Adam verschlechtert sich und wird zunehmend angespannter, trotzdem er will nicht mit ihr reden. Zudem scheint Warner sie nicht vergessen zu können und flutet die Gegend um den Stützpunkt mit Soldaten. 

Ich habe dieses Buch seit letztem Jahr im Regal stehen und habe den ersten Band bereits mehrere Male gelesen, allerdings liegt das schon eine Weile zurück. Was auch bedeutet, dass meine Begeisterung für die Reihe von einem wesentlich unbeleseneren-Ich stammt und sich meine Meinung drastisch ändern kann. Was sie getan hat. Es tut mir Leid, dass vieles was ich jetzt schreiben werde, den Fans nicht gefallen wird, aber ich habe Redebedarf und muss meine Gedanken mal aufschreiben.

Wenn ich mich auf das Wesentliche konzentriere lande ich bei Juliette. Juliette ist eine interessante Protagonistin, da sie ihr Leben in einer Welt begonnen hat, sie sie hasst und es dann in Anstalten fortführen musste. Juliette hatte nie die Chance in einer geschützten Umgebung aufzuwachsen und das entschuldigt viele ihrer Unzulänglichkeiten. Sie ist unglaublich naiv, sprunghaft, gefühlsdusselig und ich hatte das Gefühl, dass ganze Buch war eine Panikattacke. Sie kam nicht zur Ruhe, hat sich nie die Zeit genommen, sich über Dinge klar zu werden und ist einfach von einer Katastrophe zur nächsten gesprungen. Das hat es mir echt schwer gemacht, sie zu mögen. Außerdem kotzen mich die ganzen Anspielung auf ihr Aussehen an: Juliette ist so sexy in ihrem Ganzkörperanzug, Juliette macht Adam verrückt, Juliette hat keine Ahnung, wie sie auf andere wirkt. JULIETTE wurde auf ihr Aussehen und ihre Fähigkeiten reduziert. Ihre ganze Beziehung zu Adam bestand aus Körperkontakt, diese beiden waren einfach nur scharf aufeinander und scheinen keinen Wert auf Gespräche oder den Charakter des andere zu legen. Juliette hat Adams Verhalten nicht einmal kritisiert, als er ausgerastet ist und sich wie ein eifersüchtiger Psychopat aufgeführt hat.

Adam hat ganz schön was durchgemacht und in diesem Buch sind ihm viele Dinge enthüllt worden, die seine Situation nicht leichter machen. Aber anstatt sich Hilfe zu suchen und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, hat er sich die ganze Zeit nur darauf konzentriert Juliette ins Bett zu bekommen.

Warner. Warner ist eine Figur, die ich nicht verstehe. Die Autorin streut Hinweise auf seine Persönlichkeit, aber Juliette scheint diese anders zu interpretieren, als ich und setzt ihn zu einer Person zusammen, die keinen Sinn macht. Und dadurch macht Warner auch für mich keinen Sinn mehr. Juliette hat recht: Er zeigt zu viele verschiedene Seiten von sich und man kann seinen wahren Charakter einfach nicht entschlüsseln. Ich meine, was treibt diesen Typen wirklich an? Er will es wohl seinem Vater recht machen, arbeitet aber in einem Sektor, wo er seine Mutter pflegen kann. Er ist offensichtlich in Juliette verknallt, scheint sie aber nicht genug zu mögen, um sich mit ihr als Person wirklich auseinander zusetzen. Auch hier herrscht wieder eine betonte körperliche Anziehung. Und Juliette scheint ganz versessen darauf zu sein, Warner eine zweite Chance zu geben und diesen armen gebrochenen Jungen zusammen zuflicken. Der aber nicht geflickt werden will.

Da ich nun alle Hauptfiguren abgehandelt habe, kann ich endlich zum Punkt Dreiecksbeziehung kommen. Gott, wie ich diese Dinger hasse. Juliette kann Adam nicht loslassen, will aber unglaublich gerne Warner von innen und außen kennenlernen und trifft keine Entscheidung. Sie lässt sich von den beiden total überwältigen, gibt sich ihren Gefühlen wieder und wieder hin, obwohl sie weiß, dass das nicht gut ist. Aber macht sie endlich einen Schlussstrich? Nein. Sie ist so versessen darauf „in den Arm genommen zu werden“, dass ihr völlig egal zu sein scheint, von wem.

Das ist die bettlastigste Dystopie, die mir bisher untergekommen ist.

Die Handlung des Buches scheint auch auf der Stelle zu stehen. Was ist das denn für ein Rebellenstützpunkt? Die forschen an sich selber, machen sich eher kaputt, als eine ordentliche Kampftruppe aufzubauen und keiner sagt wem irgendwas. Zumindest sagt keiner irgendwas Juliette. Ich verstehe nicht, wie man Juliette in einem Kampf schicken kann, ohne sie auf körperlichen Nahkampf und Selbstverteidigung vorzubereiten. Es scheint auch keinen Gruppenzusammenhalt zu geben, werden doch Juliette und ihre Partner in Gefechten immer getrennt und geben kaum auf sich acht. Die drücken ihr eine Waffe in die Hand, ohne darauf zu achten, dass sie sie benutzen kann. Sie glauben, allein durch Juliettes Fähigkeiten, sei sie nützlich. Aber sie hat keine Ahnung wie man in einer Krise reagiert, denkt nicht an das Wesentliche und schwankt zwischen „Oh Gott, was habe ich getan?“ und einem persönlichen Rachefeldzug. Dieser Gegensatz von „Ich will niemanden töten“ und „Ich werde ihn umbringen“ riecht stark nach einer gespaltenen Persönlichkeit und keinen scheint das zu beunruhigen. Aber zumindest weihen sie sie nicht in ihre großen Pläne ein. Ich meine, was machen die Rebellen eigentlich? Vorräte stehlen, das Reestablishment beobachten. Und sonst? Was ist ihr Ziel? Alle scheinen so viel von Anführer Castle zu halten, der aber bisher sich nicht dieser Anbetung würdig erwiesen hat.

Für mich passt so vieles nicht zusammen und das macht mich traurig. Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar und ich habe viele Zitate und lustige Stellen gefunden. Aber was die Handlung, den Hintergrund und die Figuren angeht? Fehlanzeige. Ich wurde zwar in einen begeisterten Lesesog gezogen, aber am Ende hatte ich nicht das Gefühl, dass sich in diesem Buch was ergeben hat. Okay, das ist nicht ganz richtig. Ich weiß jetzt, dass Warner einen supertollen Körper hat, ein verzweifelter Stalker ist und die wunderschönsten grünen Smaragdaugen hat, die Juliette je gesehen hat. Ach, und das er ihr kleines Sozialprojekt geworden ist. Aber sonst …

Trotz meiner ganzen Meckerei werde ich Band drei lesen, da ich gespannt auf Teil 4 „Restore Me“ bin, der im April erscheinen wird. Ich will wissen, wie die Autorin sich weiter entwickelt hat, denn ihren Schreibstil finde ich super.


Autor*in: Tahereh Mafi • Titel: Rette mich vor dir • Verlag: Goldmann • Seiten:410 • Format: Gebunden mit Schutzumschlag, Taschenbuch, eBook • Preis: 16,99€ (HC), 9,99€ (TB), 8,99€ (ePub) • Erscheinungstermin: 30. September 2013 • Neugierig?

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