Oh Mann, Leute! Was habe ich diesem Buch entgegen gefiebert! Nach Mona Kastens umwerfender New-Adult-Reihe habe ich mich sehr auf ihre Fantasy-Geschichte gefreut, da ich finde, dass sie mit der Again-Reihe sich noch einmal weiterentwickelt hat, nachdem ihre Selfpublisher-Reihe Schattentraum schon sehr erfolgreich war.

Ich hatte allerdings meine Schwierigkeiten mit diesem Buch, was sich vor allem in meinem Leseverhalten gezeigt hat: Ich habe fast eine Woche gebraucht, um dieses Buch zu beenden.

Als Raven eines Abends während der Arbeit einen seltsamen Gast bedient, ist ihr eigentlich schon klar, dass dieser Fremde gefährlich ist. Zudem scheint er mehr über sie und ihre Fähigkeiten zu wissen, als er sollte. Neben kryptischen Andeutungen nennt er auch ihren wahren Namen und da brennen bei Raven alle Sicherungen durch. Es kommt zu einem Kampf und Raven versucht verzweifelt sich und ihre Familie zu schützen. 

Da dieses Buch schon seit einigen Wochen veröffentlicht ist und zudem ein Mona-Buch ist, ist euch die Handlung wohl mittlerweile bekannt. Ich fasse es nur noch einmal knapp zusammen: In Ravens Welt ist die menschliche Gattung in Mutanten und Nicht-Mutanten aufgespaltet und wie diverse andere Bücher (Und auch die reale Welt) schon gezeigt haben, kommen die meisten Menschen mit einer solchen Spaltung nicht zurecht. Mutanten sind per Gesetzt zwar akzeptiert und integriert, in der Realität sieht es allerdings so aus, dass sie eine Kennzeichnung tragen müssen und ausgegrenzt werden. Mich hat dieses Konzept stark an die Judenverfolgung erinnert, da Personen so nicht mehr als Menschen betrachtet werden können, sondern angeprangert und als potentielles Risiko eingestuft werden. Raven muss sich im Verlauf der Handlung einigen schwierigen Entscheidungen stellen, die nicht nur ihr eigenes Schicksal beeinflussen werden.

Coldworth City ist nicht mit der Again-Reihe zu vergleichen. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern ein Fakt, den es zu bedenken gibt, wenn man dieses Buch liest. Es ist einerseits ein ganz anderes Genre, ein anderer Verlag und andererseits schreibt Mona Kasten da auch anders. Diese Tatsache hat mich positiv überrascht. Dass sie ihren Stil an die Situation angepasst und weniger blumig gemacht hat, schaffen nicht viele Autoren. Die Geschichte wird fast nüchtern erzählt, manchmal meiner Meinung nach ein bisschen zu nüchtern. Selten wurde tiefer auf Beweggründe eingegangen, zumindest nicht so tief, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Figuren waren trotzdem alle gut beschrieben und nachvollziehbar. Die Erzählperspektive hat sich auch geändert, nun wird die Geschichte in der dritten Person erzählt, was es auch gleichzeitig ermöglichte mehr als einen Protagonisten zu haben.

„Du könntest mehr mit deiner Gabe tun, Raven. Viel mehr.“

Allgemein hatte ich bei dem Buch den Eindruck, dass man hätte mehr tun können. Die Handlung kam mir sehr gestaucht vor; kurz und hektisch. Ich hätte mir gerne circa einhundert Seiten mehr gewünscht, einfach um mehr Erklärungen und Details einzubringen. Die gewohnte Tiefe von Mona Kasten fehlte und die Figuren wurden nur oberflächlich angekratzt. Da das Thema „Mutanten“ von der Pop-Kultur schon relativ ausgeschöpft ist, hätte ich gerne von einer eigenen Interpretation gelesen. Mir schien es eher, als ob die Autorin mit den allgemein akzeptierten Auslegungen mitgegangen ist. Ich hätte mir ebenfalls gewünscht, die Figuren scheitern zu sehen, dass sie mal ausrutschen (im buchstäblichen Sinne) oder sich wehtun (Nur im kleinen Rahmen, wie Zehen anstoßen oder so.). Diese kleinen Details machen eine Handlung realistisch und verankern die Figuren, aber hier ist das einfach nicht genug passiert. Da steckt noch so viel mehr Potential drin, da bin ich mir sicher.

Viele Handlungselemente waren für mich vorhersehbar, ich wusste was ihr Zweck war und wo alles hinführen würde. Mir fehlte der Knall, der Überraschungseffekt. Ich war nicht einmal sonderlich motiviert das Buch weiterzulesen. Jedes bisherige Mona-Buch hat keine zwei Tage bei mir überlebt und hier brauchte ich über eine Woche. Es war nicht langweilig, aber irgendwie hat es mich nicht wirklich gepackt.

Alle vorgestellten Figuren haben Potenzial und ihre eigene Stimme und ich hätte so gerne noch mehr Zeit mit ihnen verbracht. Alles wirkte zusammengeschoben und ist zu schnell passiert, an einigen Stellen wirkte es sogar unrealistisch. Handlungen wurden nicht in Frage gestellt, Dinge nicht weiter durchdacht. Sogar die Fähigkeiten wurden nicht genug erklärt, zumindest für meinen Geschmack. Ich hätte so gerne mehr über diese Welt gelernt, aber dafür war wohl einfach kein Platz.

Coldworth City hat nur 318 Seiten, das ist weniger als in einigen New-Adult-Romanen. Und für mich funktionieren Mona Kastens Bücher deshalb so gut, weil sie sich Zeit nehmen und den Leser über einen längeren Zeitraum entführen und verzaubern.

Nach dem jetzigen Stand der Handlung müsste eigentlich noch ein zweiter Teil kommen. Ich würde so gerne mehr über die Clique lernen, da ist noch so viel, dass nicht gezeigt wurde und ich bin sicher, dass Mona Kasten da noch einiges im Ärmel hat. Ich würde mich auch mit einer Novelle zufrieden geben, auf jeden Fall möchte ich die Figuren wiedersehen.

Also nochmal knapp zusammengefasst: Coldworth City ist ein spannender Roman über Mutanten, der mit tollen Figuren überzeugt, aber ein bisschen flach ist. Ein paar mehr Details zu allem (Figuren, Handlungen, Fähigkeiten) hätten das Leseerlebnis um einiges gehoben.

Ich hoffe, dass ihr trotz meiner Meckerei Spaß an dem Buch habt und wir bald mehr aus Coldworth City zu lesen bekommen.


Autor: Mona Kasten • Titel: Coldworth City • Verlag: Droemer Knaur • Seiten: 318 • Format: Taschenbuch, eBook • Preis: 12,99 € • Neugierig? 

*Geschrieben am 02. September 2017 (re-post)

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