Seit ich Laura Kneidl 2015 entdeckt habe, verfolge ich jede ihrer Buchveröffentlichungen mit Argusaugen. Denn sie ist für mich die buchstäbliche Hoffnung deutscher (fantastischer) Jugendbuchliteratur.

Ich liebe ihre Elemente der Schattenwelt-Reihe, ich habe ebenso Water & Air und Light & Darkness gemocht. Laura Kneidl schreibt tolle Romane, die mit einem fesselnden Plot, tollen Handlungsorten und guten Figuren gespickt sind.

Ihre neueste Veröffentlichung liegt in einem ganz anderen Genre: New-Adult-Romance. Diese Bücher liebe und „hasse“ ich gleichermaßen – Sie sind manchmal wahnsinnig banal, die Storyline ist meistens dieselbe, aber gerade deswegen lese ich sie auch so gerne. Ich weiß immer, was ich bekommen werde. Und dieser kleine Kick Romantik ist eine willkommene Abwechslung zu brutalen Dystopien und Fantasyschinken.

Ich durfte den NA-Roman von Laura Kneidl schon vor Erscheinungstermin mit der Lesejury von Luebbe lesen – Und endlich war da alles, was ich immer haben wollte!

Berühre Mich. Nicht erzählt die Geschichte von Sage, einem Mädchen, das eigentlich ganz normal ist. Sie liebt Halloween, Serienabende und verkauft Schmuck auf Etsy. Wie so viele andere Roman-Heldinnen vor ihr, beginnt auch Sage ihr erstes Jahr am College, weit weg von ihrem Zuhause. Aber Sage ist knapp bei Kasse, lebt in ihrem Auto und hat Angst vor Männern. Sie schleicht sich in die Studentenwohnheime, um Duschen zu können, muss jeden Dollar zweimal umdrehen und braucht dringend einen Job. Und als sie dann einen Job ergattert, entpuppt sich ihr Arbeitskollege als großer, durchtrainierter, tätowierter Kerl. Der Inbegriff all ihrer Ängste. Luca. 

Kommen wir mal zuerst zu den Basics: Der Schreibstil ist super, ich habe während des Lesens festgestellt, dass man nicht durchhetzten darf. Also nehmt euch am besten Zeit – zum Beispiel an einem Wochenende, macht euch eine Tasse Tee oder Kakao und genießt jedes Wort. Laura Kneidls Schreibstil mag auf den ersten Blick simpel erscheinen, aber mit dem richtigen Lesetempo entfaltet er eine bildgewaltige Wirkung.

Der Handlungsverlauf dieses Buches weicht auch ein wenig von dem anderer bekannter Romane ab, denn der männliche und weibliche Protagonist haben einen etwas schwierigen Start und verlieben sich nicht beim ersten Anblick in einander. Es ist ein langsamer, gefühlvoller Prozess, der viel mit Vertrauen und Freundschaft zu tun hat. Mir hat das wahnsinnig gut gefallen, denn so entsteht nicht der Eindruck, dass die körperliche Anziehung die treibende Kraft hinter der Beziehung ist, sondern sie wirklich einander als Personen zu schätzen wissen. Und dass sie sich dann auch noch gegenseitig scharf/heiß/begehrenswert finden, ist natürlich ein toller Bonus.

Ich war während des Lesens sehr überrascht, aber auch beeindruckt, dass Sage zwar die Geschichte einer jeden anderen NA-Heldin hat, sie aber mit dieser Vergangenheit viel stärker zu kämpfen hat. Oft werden diese schlimmen Geschehnisse im Leben der Hauptfiguren schnell wieder abgeschüttelt, aber Sage kann das nicht.

Das Buch, dass Laura Kneidls geschrieben hat, ist fokussiert auf den Punkt Mental Health – oder besser Mental Illness. Sage weiß um ihren Zustand, um ihre Phobie. Und doch kommt sie allein nicht dagegen an.

So schwierige dieses Thema auch ist, so gut hat Laura Kneidl es mit den Aspekten eines normalen New-Adult-Romans vereinbart. Obwohl ihre Phobie Sage täglich begleitet, lebt sie das ganz normale Leben einer College-Studentin: Sie geht auf Partys, lernt süße Jungs kennen, erlebt dieses wilde Kribbeln und findet wirklich gute Freunde.

Und nebenbei ist sie auch noch eine tolle Person. Ich hatte viel mehr Gemeinsamkeiten mit Sage, als ich erwartet hatte. Sie ist ein bodenständiger, vorsichtiger, aber auch witziger und frecher Mensch und wird euer Leser-Herz im Sturm erobern.

Außerdem ist Sage stark. Denn sie kämpft gegen ihre Phobie an und damit zeigt Laura Kneidl mal einen ganz neuen Weg in der Geschichte von NA-Romanen. Denn die Heldin kämpft für sich selber, sucht sich Hilfe und braucht nicht irgendeinen dahergelaufenen Märchenprinzen, der sie durch seine Liebe „heilt“. Sage ist ihr eigener Retter.

Ich kann Berühre Mich. Nicht nur empfehlen! Und weiter will ich nicht auf die Handlung eingehen, damit ihr sie genauso unberührt lesen könnt, wie ich es konnte.


 Autor*in: Laura Kneidl • Titel: Berühre mich. Nicht • Verlag: LYX • Seiten:458 • Format: Klappenbroschur, eBook • Preis: 12,90 € (TB), 9,99€ (ePub) • Erscheinungstermin: 26. November 217 • Neugierig?

2 thoughts on “[Rezension] Berühre Mich. Nicht”

  1. Hey Fiederike,

    Eine schöne Rezension zum Buch. Mich persönlich konnte das Buch nicht ganz so sehr packen. Dass Sage etwas gegen ihre Angststörung tut und aktiv selber Hilfe sucht, fand ich auch super, auf der anderen Seite fand ich sie anfangs einfach nur nervig und die Handlung plätscherte mir auch ein bisschen zu sehr dahin. Deine Punkte und warum dir das Buch wiederum sehr gefallen hat, kann ich gut nachvollziehen.

    Liebe #litnetzwerk Grüße, Moni

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