{"id":3839,"date":"2019-09-23T15:03:39","date_gmt":"2019-09-23T13:03:39","guid":{"rendered":"https:\/\/buchundgewitter.de\/?p=3839"},"modified":"2019-11-10T09:46:13","modified_gmt":"2019-11-10T08:46:13","slug":"dschungel-von-friedemann-karig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buchundgewitter.de\/?p=3839","title":{"rendered":"Dschungel\u2502Friedemann Karig"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"3024\" height=\"2016\" src=\"https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/80f5a79a-8034-40ba-b03d-d788959f8e21.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3841\" srcset=\"https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/80f5a79a-8034-40ba-b03d-d788959f8e21.jpg 3024w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/80f5a79a-8034-40ba-b03d-d788959f8e21-300x200.jpg 300w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/80f5a79a-8034-40ba-b03d-d788959f8e21-768x512.jpg 768w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/80f5a79a-8034-40ba-b03d-d788959f8e21-700x467.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 3024px) 100vw, 3024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><em>Dschungel <\/em>hat mich als erstes durch sein knalliges Cover angesprochen. Ich fand, dass die dunkle, blaue Farbe sehr sch\u00f6n mit dem leuchtenden Pink harmonierte und im Regal ein echter Hingucker sein w\u00fcrde. Die Inhaltsangabe fand ich ebenfalls spannend, man liest heutzutage doch wirklich wenige B\u00fccher \u00fcber Freundschaften. Ich habe es als Rezensionsexemplar f\u00fcr das Rezens\u00f6hnchen bekommen, muss aber erst einmal auf dem Blog alle Gedanken raus lassen, ehe ich f\u00fcr die Unizeitschrift formulieren kann. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align:center\">Darum gehts<\/h4>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Felix ist im Dschungel von Kambodscha verschwunden. Sein bester Freund wird ihm hinterher geschickt, um ihn zu finden, kennt er ihn doch am besten und wei\u00df vielleicht eher, was f\u00fcr Entscheidungen sein Freund vor Ort treffen w\u00fcrde. Ein Reise durch Kambodscha und die Freundschaft der beiden M\u00e4nner beginnt, die mehr \u00fcber sie enth\u00fcllt<\/strong>, <strong>als gut scheint.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align:center\">Meine Meinung <\/h4>\n\n\n\n<p>Ich bin kein Fan von diesem Buch. Das begann bereits mit dem Anfang, der sich sehr gezogen hat. Es mag clever erscheinen, abwechselnd von der Freundschaft und der Suche in Kambodscha zu erz\u00e4hlen, tats\u00e4chlich hat es mich beim lesen nur aufgehalten. Das st\u00e4ndige hin und her, das vor und zur\u00fcck in der Erz\u00e4hlung war erm\u00fcdend und es dauerte bis zur H\u00e4lfte des Buches, bis ich ein gutes Bild von den Charakteren hatte. Dazu kam der Schreibstil, der detailliert, aber stumpf und unnahbar war. Der Protagonist, der keinen Namen hat, aber der beste Freund von Felix ist, h\u00e4lt sich mit seinen Gedanken sehr zur\u00fcck, er denkt selten \u00fcber seine Situation nach oder \u00fcber die Freundschaft, die der Ausgangspunkt des Buches ist. Er erz\u00e4hlt viel \u00fcber die Menschen, denen er begegnet und ihre Einstellungen, streut viele Fakten \u00fcber Kambodscha und die Khmer ein. Regelm\u00e4\u00dfig irritiert hat mich der verwirrende Mix aus Englisch und Deutsch, der die Dialoge pr\u00e4gte. Es war nie klar ersichtlich ob sich nun auf Deutsch oder Englisch unterhalten wird, weil mitten im Gespr\u00e4ch oder zum Ende eines vornehmlich deutschen Gespr\u00e4chs pl\u00f6tzlich eine englische Floskel vorkam. Der Leser konnte raten, ob nun Deutsch oder Englisch gesprochen wurde.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Mach was immer du willst. Frag nicht um Erlaubnis. Schau nicht zur\u00fcck. Sei der allm\u00e4chtige Gott deiner kleinen Welt. (&#8230;) Das, mein Freund, ist <em>Reisen<\/em>.&#8220;<\/p><cite>S. 168<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Freundschaft, die hier gezeigt wird, ist toxisch bis ins Mark. Das beginnt schon von klein an, als Felix und der Protagonist sich in der Schule kennen lernen. Es folgen Abschnitte aus ihrem Leben und dem Erwachsen werden, die alle schlechten Entscheidungen enthalten, die ein junger Mensch heute treffen kann. Alkoholmissbrauch, Diebstahl, L\u00fcgen. Der Protagonist sieht sich als manipuliert und gedr\u00e4ngt, Felix hat sein Leben komplett in der Hand. Er ist abh\u00e4ngig von Felix, der das offenbar schamlos ausnutzt. Der Protagonist ist zeitweise hin- und hergerissen zwischen Hass und Anbetung Felix gegen\u00fcber, aber wann immer Felix ihm ein winziges bisschen Respekt entgegen bringt, vergisst er all die miesen Momente und l\u00e4sst sich weiter ausnutzen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Angst, nicht zu gen\u00fcgen, auf der B\u00fchne seines Bewusstseins keine Rolle zu spielen, oder eine schlechte, langweilige. Und die Hoffnung auf die seltenen Momente, in denen ich f\u00fcr ihn gl\u00e4nzte. <\/p><cite>S. 365<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Protagonist stellt sich als unzuverl\u00e4ssiger Erz\u00e4hler heraus, allerdings merkt man davon nichts, bis ein anderer Charakter ihm das an den Kopf klatsch. Die Vorarbeit, die f\u00fcr eine glaubhafte Unzuverl\u00e4ssigkeit n\u00f6tig gewesen w\u00e4re, eine Gegendarstellung der Ereignisse beispielsweise, oder Ungereimtheiten \u00fcber einen Tathergang, existiert nicht und so wirkt es nur wie ein weiterer lahmer Versuch, den Protagonisten in eine Opferrolle zu dr\u00e4ngen. Auch die anderen Beziehungen zu Eltern, Freunden und Lebensgef\u00e4hrten sind in irgendeiner Art toxisch, es gab genau eine Beziehung die irgendwo ann\u00e4hernd gesund sein k\u00f6nnte, die dann aber aus m\u00e4nnlichem Selbstmitleid beendet wird. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Es war nicht das erste Mal, dass wir etwas H\u00e4rteres als Haschisch nahmen. Aber das erste Mal, dass wir es nun zu zweit taten, bewusst, ohne Musik oder M\u00e4dchen. Felix hatte darauf gedr\u00e4ngt. Als w\u00fcsste er, dass wir sonst niemals dar\u00fcber reden w\u00fcrden. <em>Wahrheitsmodus<\/em>, nannte er das. <\/p><cite>S. 229<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich habe nach dem Beenden ein wenig im Internet herum gesucht, weil ich mir keinen Sinn aus diesem Buch erschlie\u00dfen konnte. In einem Interview sagt der Autor, dass er seiner Generation gerne einen Spiegel vorhalten will, ihre Unt\u00e4tigkeit kritisieren. Das hat er getan, aber es ist nichts Neues und passiert auch eher von oben herab. Eine ganze Generation \u00fcber einen Kamm zu scheren und ihnen zu sagen, dass sie Schie\u00dfe bauen, aber keine umsetzbaren L\u00f6sungen anzubieten, bringt niemanden weiter. Das einzige, das ich in diesem Buch gelernt habe, ist die Geschichte Kambodschas, aber den Rest kennt man schon. Umweltprobleme, wirtschaftliche Probleme, Ignoranz. Die Charaktere im Buch lernen nichts, ergo lernt auch der Leser wenig bis nichts. Die Charaktere bleiben in ihrer kleinen Blase gefangen und den Ausweg, den sie w\u00e4hlen, kann ich beim besten Willen nicht akzeptieren.   <\/p>\n\n\n\n<p>Was im Kopf h\u00e4ngen bleibt, sind nicht die angestrebten Gedanken \u00fcber Konsumverhalten und zerst\u00f6rerischen Tourismus, sondern die Drogenk\u00e4ufe, die R\u00fccksichtslosigkeit, mit der die Einheimischen behandelt werden, der Sexismus, der Drogenkonsum und die entsprechend risikofreundlichen Entscheidungen, die darunter getroffen werden. H\u00e4ngen bleibt das Bild der toxischen, respektlosen, wei\u00dfen Jugend, denen die Welt durch ihr Privileg zu F\u00fc\u00dfen liegt und die diese ignorieren. Sowohl der Protagonist, als auch Felix, sind ein Abbild der privilegierten Wei\u00dfen, die selbstbezogen und selbstmitleidig durch die Weltgeschichte gehen. Ich habe lange nicht mehr eine solch inbr\u00fcnstige Abscheu f\u00fcr Charaktere gef\u00fchlt. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align:center\">Fazit<\/h4>\n\n\n\n<p>Von der Aussage des Buches bin ich wahnsinnig entt\u00e4uscht, das m\u00f6gliche Potential, dass die Handlung hatte, wird \u00fcber Bord geworfen. Es wird nicht erkl\u00e4rt, wie man Trauma \u00fcberwindet, wie man toxische Beziehungen erkennt und beendet. Eine schwache Alternative wird gezeigt, die selbstbezogen und egoistisch ist, die keine Probleme l\u00f6st, sondern die Inkarnation dessen ist, was dieses Buch sowieso schon darstellt. Wei\u00dfe Ignoranz.  <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Dschungel<\/h5>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\" class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\"><em>Verlag:<\/em> <a href=\"https:\/\/www.ullstein-buchverlage.de\">Ullstein <\/a> \u30fb <em>Seiten:<\/em> 380\u30fb<em>Format:<\/em> Gebunden mit Schutzumschlag, eBook \u30fb <em>Preis:<\/em> 22,00\u20ac (GB); 18,99\u20ac (ePub) \u30fb <em>Erscheinungstermin:<\/em> 02. Mai 2019 \u30fb <a href=\"https:\/\/www.ullstein-buchverlage.de\/nc\/buch\/details\/dschungel-9783550200137.html\"><em>Link zur Verlagsseite<\/em><\/a><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\"><strong>*Vielen Dank an den Verlag f\u00fcr die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dschungel hat mich als erstes durch sein knalliges Cover angesprochen. Ich fand, dass die dunkle, blaue Farbe sehr sch\u00f6n mit dem leuchtenden Pink harmonierte und im Regal ein echter Hingucker sein w\u00fcrde. Die Inhaltsangabe fand ich ebenfalls spannend, man liest heutzutage doch wirklich wenige B\u00fccher \u00fcber Freundschaften. Ich habe es als Rezensionsexemplar f\u00fcr das Rezens\u00f6hnchen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3841,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_genesis_hide_title":false,"_genesis_hide_breadcrumbs":false,"_genesis_hide_singular_image":false,"_genesis_hide_footer_widgets":false,"_genesis_custom_body_class":"","_genesis_custom_post_class":"","_genesis_layout":"","footnotes":""},"categories":[10,6],"tags":[235,236,237],"class_list":{"0":"post-3839","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutsche-buecher","8":"category-rezensionen","9":"tag-dschungel","10":"tag-friedemann-karig","11":"tag-reiseroman","12":"entry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buchundgewitter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3839","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/buchundgewitter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/buchundgewitter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buchundgewitter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buchundgewitter.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3839"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/buchundgewitter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3839\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4097,"href":"https:\/\/buchundgewitter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3839\/revisions\/4097"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buchundgewitter.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3841"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buchundgewitter.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/buchundgewitter.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3839"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/buchundgewitter.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}