{"id":3561,"date":"2019-07-16T08:48:35","date_gmt":"2019-07-16T06:48:35","guid":{"rendered":"https:\/\/buchundgewitter.de\/?p=3561"},"modified":"2019-11-10T09:47:46","modified_gmt":"2019-11-10T08:47:46","slug":"das-maedchen-aus-feuer-und-sturm-von-renee-ahdieh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buchundgewitter.de\/?p=3561","title":{"rendered":"Das M\u00e4dchen aus Feuer und Sturm\u2502Ren\u00e8e Ahdieh"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"4032\" height=\"3024\" src=\"https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/289d0ea0-1f7d-4ed5-9602-ff5d8a322c2d.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3570\" srcset=\"https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/289d0ea0-1f7d-4ed5-9602-ff5d8a322c2d.jpg 4032w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/289d0ea0-1f7d-4ed5-9602-ff5d8a322c2d-300x225.jpg 300w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/289d0ea0-1f7d-4ed5-9602-ff5d8a322c2d-768x576.jpg 768w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/289d0ea0-1f7d-4ed5-9602-ff5d8a322c2d-700x525.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 4032px) 100vw, 4032px\" \/><figcaption>*Rezensionsexemplar<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Seit November letzten Jahres schleppe ich dieses Buch mit mir herum. Lesen wollte ich es schon, seit es im Original erschienen ist, ein Mulan-Retelling von der Autorin, die mich 2016 mit <em>Zorn und Morgenr\u00f6te<\/em> so begeistern konnte. Dass ich bis jetzt gebraucht habe, um das Buch zu beenden, sagt schon einiges aus. Aber mit so einer Geschichte habe ich echt nicht gerechnet. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align:center\">Darum gehts<\/h4>\n\n\n\n<p style=\"text-align:center\"><strong>Mariko f\u00fcgt sich in die Rolle der sittsamen Tochter und begibt sich auf die Reise in die kaiserliche Hauptstadt, wo sie den Kaisersohn Raiden heiraten soll, um ihrer Familie Ansehen und Ehre einzubringen. Als ihr Begleitzug \u00fcberfallen wird und klar ist, dass jemand Mariko tot sehen will, schmiedet sie den Plan die Angreifertruppe &#8211; den Schwarzen Clan &#8211; zu infiltrieren und den Auftraggeber zu finden und sich zu r\u00e4chen. Befreit von den Erwartungen und Schranken eines M\u00e4dchens geht sie in ihrer Rolle als Junge auf und findet unter den Mitgliedern des Schwarzen Clans mehr als sie erwartet hatte. Hin- und hergerissen zwischen ihrer Ehre und dem was sie sieht, muss Mariko entscheiden, ob sie die Augen vor der Wahrheit verschlie\u00dfen will oder f\u00fcr das K\u00e4mpfen, was richtig ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" style=\"text-align:center\">Meine Meinung<\/h4>\n\n\n\n<p>Zuallererst ist mir aufgefallen, dass keines der Fremdworte in dem Buch erkl\u00e4rt wird. In der deutschen Ausgabe gibt es hinten ein Glossar, was gut gewesen ist, mir aber viel zu sp\u00e4t aufgefallen, weshalb ich mich schon daran gew\u00f6hnt hatte, mit so wenig Information wie m\u00f6glich zu arbeiten. Die Welt ist an das feudale Japan angelehnt, das hei\u00dft, es gibt Schwerter und andere Waffen, R\u00e4nge und Umgangsweisen und alle werden nicht erkl\u00e4rt. H\u00e4tte ich nicht vorher schon ein bisschen &#8211; wirklich minimal &#8211; Ahnung gehabt, ich w\u00e4re nach drei Kapiteln hoffnungslos verloren gewesen. All die Begriffe der Samurai und die f\u00f6rmlichen Redewendungen prallten damit aber v\u00f6llig an mir ab. Ich habe zu diesem Teil des Buches nichts mitgenommen. Zumindest nicht aus dem Buch selber, sondern h\u00f6chstens, weil ich die Kultur interessant fand und selber nachgeschaut habe. Ich kann verstehen, wenn die Autorin nichts erkl\u00e4rt hat, weil sie das Buch f\u00fcr die wei\u00dfen, privilegierten Leser nicht runter dummen wollte, sondern ein repr\u00e4sentatives Buch \u00fcber diese Kultur schreiben wollte, dass sich nicht verstellen muss. F\u00fcr mich hat das aber leider nicht funktioniert. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;Sie wehrte sich dagegen, wie ein in einem K\u00e4fig eingesperrtes Tier zu sterben. Wie ein M\u00e4dchen, dem nichts blieb als nur ihr Name.&#8220;<\/p><cite>6%<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mein gr\u00f6\u00dfter Kritikpunkt in diesem Buch ist der Schreibstil. Ich wei\u00df nicht, wie viel der \u00dcbersetzung geschuldet ist, aber die \u00dcbersetzung an sich ist schon merkw\u00fcrdig. In einem Satz wird von &#8222;Wangenl\u00f6chern&#8220; geredet, was bei mir nur ironisches Lachen ausgel\u00f6st hat. Dann sind Gespr\u00e4che so unstimmig verfasst, dass ich nachdenken musste, um zu verstehen, was die Figuren zu einander sagen. S\u00e4tze wie &#8222;Du kennst meinen Ursprung nicht&#8220; (44%) oder &#8222;Mariko w\u00e4re beinahe herausgeplatzt&#8220; (61%) klingen f\u00fcr mich einfach komisch. Ich finde, da hat die deutsche Sprache mehr und sch\u00f6nere M\u00f6glichkeiten, das auszudr\u00fccken.  An manchen Stellen konnte ich den Satzbau des Englischen erkennen und das liegt nicht daran, dass ich gut Englisch kann. Das fand ich besonders \u00e4rgerlich, weil die Autorin versucht hat, eine Atmosph\u00e4re mit ihrem Schreistil zu erschaffen, versucht hat, mit Sprache kreativ zu arbeiten, und f\u00fcr mich hat es auf Deutsch einfach nicht funktioniert. Allerdings ist auch der Versuch der Autorin f\u00fcr mich nur ein Versuch geblieben, denn einfache Wortphrasen mit einem Punkt zu versehen, ist kein ausgekl\u00fcgelter Schreibstil und wirkte einfach nur sehr plump und erm\u00fcdend auf Dauer. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;Vielleicht ist meine Art St\u00e4rke nicht dieselbe wie eure, Vielleicht ist meine Art St\u00e4rke leicht wie eine Feder.&#8220;<\/p><cite>44%<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Eine weitere Sache, die das Buch f\u00fcr mich so schwer gemacht hat, war Hauptfigur Mariko. Sie ist wahnsinnig privilegiert, f\u00fchlt sich in ihrer Rolle als sittsame Tochter unterdr\u00fcckt und \u00fcbersehen &#8211; was durchaus verst\u00e4ndlich ist &#8211; und h\u00e4lt sich f\u00fcr wahnsinnig schlau. Ach, und seltsam. Nur weil Mariko Interesse an Alchemie hat, ist sie seltsam. Jedenfalls fasst sie nach dem \u00dcberfall den Entschluss den Schwarzen Clan zu infiltrieren und sich zu r\u00e4chen. Gedacht, getan. Mariko wird als Junge verkleidet in den Clan aufgenommen und benimmt sich fortan wie die schlechteste Spionin der Welt. Sie kann ihre Klappe nicht halten, stellt tausend Fragen, verr\u00e4t viel zu viel \u00fcber sich selbst, kann Situationen nicht einsch\u00e4tzen oder interpretiert sie meiner Meinung nach v\u00f6llig falsch und benimmt sich einfach unglaublich dumm. Ihre Sturheit wird nur von ihrer laschen Impulskontrolle \u00fcbertrumpft, die entweder darin endet, dass sie jemanden k\u00fcsst oder umbringt. Ich dachte, diese Art Figur haben wir schon vor f\u00fcnf Jahren hinter uns gelassen. Ich bin lange nicht mehr \u00fcber eine so klischeebelastete Figur gestolpert, wie bei Mariko. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;Ich dachte, ich h\u00e4tte alle Antworten. Oder wenigstens einige. Jetzt wei\u00df ich, dass ich nichts verstehe.<\/p><cite>Mariko, 86%<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich denke, was mich an Mariko so gest\u00f6rt hat, war, dass sie sich konstant selbst \u00fcbersch\u00e4tzt hat. In der Erz\u00e4hlperspektive wird dauernd etwas \u00fcber sie festgelegt, dass sie in ihren Handlungen einfach nicht zeigt. Mir wird das eine \u00fcber sie gesagt und dann tut sie etwas anderes oder auch gar nichts.. Und das trifft leider auch auf einige andere Figuren zu. Mit gro\u00dfen Worten und bedeutungsvollen S\u00e4tzen werden Figuren angepriesen, die diese Erwartungen dann nicht erf\u00fcllen. Es gibt ein paar starke Botschaften in diesem Buch, die aber leider total untergehen, weil sie nur Botschaften bleiben. Sie werden nicht umgesetzt, es wird nicht gezeigt, wie viel Wahrheit in diesen S\u00e4tzen stecken kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Mich nervte auch, dass Nichts aufgearbeitet wird, das als wichtig aufgezogen wurde. Es wird nicht gekl\u00e4rt, wer Mariko t\u00f6ten wollte, wie der Schwarze Clan dazu steht. Mariko fragt nicht. Sie hat die M\u00f6glichkeiten dazu, aber sie tut es einfach nicht. In der einen Szene schw\u00f6rt sie noch Stein und Bein, dass sie Antworten kriegen wird, dann wird ihr ein kleiner Friedenszweig angeboten und Zack &#8211; alle Fragen vergessen. Es handelt sich hier um eine zweiteilige Reihe, ich wei\u00df, dass noch nicht alle Fragen gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen, aber keine Frage wird gekl\u00e4rt! Es werden so viele M\u00f6glichkeiten aufgerissen, so viel Fragen in den Raum gestellt und alle werden \u00fcbergangen. Das war wahnsinnig frustrierend. Ich finde, so baut man keine Spannung auf, sondern verscheucht nur seine Leser. <\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings hatte das Buch auch seine besseren Seiten, als n\u00e4mlich die anderen Figuren erz\u00e4hlt haben. Marikos Erz\u00e4hlstimme wird sporadisch von ihrem Bruder Kenshin, der sie sucht, Okami, der sie ausbildet und von einigen Figuren aus dem kaiserlichen Palast abgel\u00f6st. Diese Handlungsstr\u00e4nge haben mich am weiterlesen gehalten. Man erh\u00e4lt einen besseren Einblick in die Welt,  erf\u00e4hrt allerdings auch nicht zu viel, um von der Handlung nicht mehr \u00fcberrascht zu werden. Kenshins Suche nach seiner Schwester war spannend, weil er aus den falschen Annahmen nach ihr suchte und ich fand das Spiel von Intrigen und Verschw\u00f6rungen recht gut gemacht. Kenshins Perspektive bietet die M\u00f6glichkeit zu zeigen, dass mehr hinter Marikos angeblicher Entf\u00fchrung steckt, dass der Feind ein anderer ist und die ganze Aff\u00e4re mehr zu bieten hat, als es im ersten Moment erscheinen mag.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztendlich hat mich das Buch mehr entt\u00e4uscht, als unterhalten und das finde ich wahnsinnig Schade. Ich fand, dass die Geschichte Potential hatte, das einfach nicht ausgesch\u00f6pft wurde. Statt einer nachdenklichen, feministischen Erz\u00e4hlung im Rahmen der japanischen Samurai wurde ein mittelm\u00e4\u00dfiges Jugendbuch geschrieben, das schon in tausend anderen Versionen existiert. <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Das M\u00e4dchen aus Feuer und Sturm<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\"><em>\u00fcbersetzt von: <\/em>Martina M. Oepping | <em>Verlag:<\/em> ONE | <em>Seiten: <\/em>415 | <em>Format: <\/em>Gebundenes Buch, eBook | <em>Preis: <\/em>18,00\u20ac (HC), 13,99\u20ac (ePub) | <em>Erscheinungstermin: <\/em>28. September 2018 | <a href=\"https:\/\/www.luebbe.de\/one\/buecher\/junge-erwachsene\/das-maedchen-aus-feuer-und-sturm\/id_6484124\">Link zur Verlagsseite<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>*Vielen Dank an den Verlag und NetGalley f\u00fcr die Bereitstellung des kostenlosen Rezensionsexemplares. <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit November letzten Jahres schleppe ich dieses Buch mit mir herum. Lesen wollte ich es schon, seit es im Original erschienen ist, ein Mulan-Retelling von der Autorin, die mich 2016 mit Zorn und Morgenr\u00f6te so begeistern konnte. Dass ich bis jetzt gebraucht habe, um das Buch zu beenden, sagt schon einiges aus. 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