{"id":1873,"date":"2018-07-27T14:20:16","date_gmt":"2018-07-27T12:20:16","guid":{"rendered":"https:\/\/buchundgewitter.de\/?p=1873"},"modified":"2018-08-22T15:52:30","modified_gmt":"2018-08-22T13:52:30","slug":"rezension-the-hate-u-give","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buchundgewitter.de\/?p=1873","title":{"rendered":"The Hate U Give von Angie Thomas"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1889 size-large\" src=\"https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/final1532260608051-1024x575.jpg\" alt=\"\" width=\"790\" height=\"444\" srcset=\"https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/final1532260608051-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/final1532260608051-300x168.jpg 300w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/final1532260608051-768x431.jpg 768w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/final1532260608051-700x393.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 790px) 100vw, 790px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"color: #993300;\"><strong>M<\/strong><\/span>ir ist bewusst, dass diese Rezension etwas \u00fcberf\u00e4llig ist und praktisch &#8222;Old News&#8220;, aber ich kann einfach nicht <em>nicht<\/em> \u00fcber dieses Buch und diese Art Literatur allgemein schreiben. A<\/span>ls das Buch letztes Jahr auf Englisch erschien, hatte ich schon sehr stark darauf hin gefiebert. Entdeckt hatte ich es im Epic Reads Book Haul von November 2016, glaube ich und ich fand a) das Cover genial und b) die Geschichte wichtig. Nach \u00fcber einem Jahr habe ich es endlich geschafft die deutsche \u00dcbersetzung zu lesen und &#8211; Wow. Dazu habe ich eine Menge zu sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2007 aligncenter\" src=\"https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Blogzwischen\u00fcberschriften-300x37.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"37\" \/>Starr Carter wird zur Zeugin der Erschie\u00dfung ihres \u00e4ltesten Freundes Khalil. Genau wie sie war ihr Freund schwarz und unbewaffnet und sie beide wurden von einem wei\u00dfen Polizisten bedroht. Gefangen zwischen zwei Welten muss Starr entscheiden, ob sie f\u00fcr Gerechtigkeit k\u00e4mpfen wird, wissend, dass Drohungen gegen sie und ihre Familie dann sehr schnell zu Gewalt werden k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2006 aligncenter\" src=\"https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Blogzwischen\u00fcberschriften-1-300x37.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"37\" \/>Da der Kinofilm bald anl\u00e4uft, wollte ich endlich meine Meinung zu diesem Buch formulieren, weil ich finde, das immer noch nicht genug dar\u00fcber geredet wird. Denn selbst, wenn das hier nur ein fiktionales Werk ist, ist es doch f\u00fcr viele Menschen in dieser Welt bittere Realit\u00e4t und ehe wir &#8211; die Mehrheit, die Wei\u00dfen, die Privilegierten &#8211; nicht verstehen, was schief l\u00e4uft, k\u00f6nnen wir auch nichts dagegen tun. Und genau deswegen ist <em>The Hate U Give<\/em> auch so ein wichtiges Buch. Wie schon so viele Blogger, Influencer und Autoren vor mir, bin auch ich der Meinung, dass dieses Buch in jede Bibliothek, jedes Klassenzimmer und jeden Lehrplan geh\u00f6rt, weil es einfach SO WICHTIG ist.<\/p>\n<p>Zuallererst m\u00f6chte ich das Buch als solches betrachten: Ein Buch. Ganz kurz m\u00f6chte ich unabh\u00e4ngig vom Inhalt \u00fcber Aufbau, Schreibstil und Spannungsbogen schreiben k\u00f6nnen, damit mein Zwiespalt zum Ausdruck kommt. Denn dieses Buch ist gut und wichtig, aber gerade auf Deutsch hat es ein paar Schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Es wird in insgesamt 5 Abschnitten erz\u00e4hlt, die jeweils markieren, wie viel Zeit bereits seit dem Abend, an dem Khalil starb, vergangen ist. Das ist richtig wichtig zu sehen, da Prozesse oft sehr lange dauern und man die Langzeitwirkung sonst nicht versteht, die ein solches Ereignis mit sich bringt. Allerdings ist ein Spannungsbogen so ebenfalls schwer auszumachen, die Handlung zieht sich etwas und oftmals fiel es mir schwer das Buch wieder aufzuschlagen. W\u00e4hrend des Lesens war ich dennoch nicht geneigt zu unterbrechen, da Angie Thomas mit einer Eindringlichkeit erz\u00e4hlt, die fesselnd ist.\u00a0Der Schreibstil hingegen ist sehr normal. Der Spruch &#8222;Show, don&#8217;t tell&#8220; h\u00e4tte wohl im Lektorat h\u00e4ufiger fallen k\u00f6nnen, denn Vieles wird in diesem Buch einfach erz\u00e4hlt. Es wird dem Leser vorgesetzt und es braucht wenig Gedankenschmalz, um die Botschaft des Buches zu verstehen.<\/p>\n<p>Aber mittlerweile denke ich, dass diese Geradlinigkeit und klare Darstellung der Tatsachen das ist, was <strong>wir<\/strong> brauchen. Zwischen den Zeilen von Ungerechtigkeit und Rassismus lesen bringt wenig, wenn dann die Botschaft nicht ankommt; manchmal muss man dem Gegen\u00fcber ins Gesicht schreien, was falsch l\u00e4uft. Und das macht Angie Thomas. Schonungslos, ehrlich und beklemmend genau erz\u00e4hlt sie vom Alltag eines schwarzen M\u00e4dchens in einer wei\u00dfen Schule, dem Alltag einer normalen Familie in einem Viertel voller Gewalt und Banden, den allt\u00e4glichen Vorurteilen, denen Schwarze heute noch ausgesetzt sind. Denn wie im Buch ganz richtig gesagt wird, muss man nicht Rassist sein, um etwas rassistisches zu sagen.<\/p>\n<p>Dennoch geht der Charme des Buches und seine Eindringlichkeit mit der \u00dcbersetzung ins Deutsche verloren. Da ich das Buch sowohl auf Englisch, als auch auf Deutsch gelesen habe, habe ich einige Unterschiede bemerkt, die mir nicht gefallen haben. Das Besondere an diesem Buch ist eigentlich, dass Slang gesprochen wird. Im Original tr\u00e4gt der Slang dazu bei, den Unterschied von Starrs Welten zu verdeutlichen. Auf Deutsch funktioniert das weniger. Abgesehen von sehr h\u00e4ufigem Fluchen (Richtig oft, selbst mich hat das am Anfang geschockt), dass auf Deutsch gravierender und schlimmer klingt, als auf Englisch, kann man den Slang nicht \u00fcbersetzen. Trotzdem hat der Verlag sich bem\u00fcht die Unterschiede irgendwo zu zeigen und so wurden W\u00f6rter wie <strong>boyfriend<\/strong>, <strong>girlfriend<\/strong>, <strong>swaggen<\/strong>, <strong>Spring Break<\/strong>,\u00a0<strong>yes<\/strong> und <strong>no<\/strong> einfach nicht \u00fcbersetzt. Das hat mich gest\u00f6rt. Tierisch. Klar, die Bedeutung wird gerade bei Boyfriend\/Girlfriend so deutlich klarer, aber trotzdem klingt es irgendwie falsch und gewollt. Und irgendwie ein wenig dumm. Und dass die Figuren nun dumm, anstatt authentisch klingen passt mir gar nicht. Denn der Slang l\u00e4sst sie im Original nicht weniger intelligent wirken, nur weil mal eine Silbe verschluckt wird oder ein Wort anders betont. Ich hatte dabei eher das Gef\u00fchl, dass die W\u00f6rter dadurch eine st\u00e4rkere Bedeutung bekommen, wichtiger f\u00fcr Starr und ihre Gemeinschaft wurden. Mein Rat an dieser Stelle: Lest es auf Englisch.<\/p>\n<p>Die Botschaft des Buches funktioniert zum Gl\u00fcck unabh\u00e4ngig von Schreibstil und \u00dcbersetzung und (allein) deswegen ist es so wichtig. Starr wird in ihrem jungen Leben mit einigen heftigen Dingen konfrontiert, schon einmal hat sie eine Freundin an ihr Viertel verloren und mit Khalils Tod kommen alte Erinnerungen hoch. Abgesehen davon, dass die Polizei sich nicht f\u00fcr die seelischen Sch\u00e4den Starrs interessiert (Was bei einer wei\u00dfen Zeugin sicherlich der Fall gewesen w\u00e4re) wird versucht, den Vorfall unter den Tisch zu kehren und der Polizist selber, der geschossen hat, tritt im Buch kein weiteres Mal auf. Als Leser bekommt man also weder Gerechtigkeit noch Genugtuung, stattdessen erlebt man wie Starr und ihre Familie eingesch\u00fcchtert werden, Machtk\u00e4mpfe \u00fcber Khalil und seiner Geschichte ausgetragen werden und Rassismus den Alltag dieser normalen Familie mehr bestimmt, als man glauben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Zudem muss Starr sich in zwei Welten bewegen: Der ihres Viertels, Garden Heights, dass schwarz ist und der ihrer Schule, Williamson, die haupts\u00e4chlich von wei\u00dfen Kindern besucht wird. Aufgrund schlechter Erfahrungen trennt Starr diese beiden Welten strickt und passt auch ihr Verhalten an, damit ihr niemand etwas B\u00f6ses nachsagen kann.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #993300;\">Die Williamson-Starr h\u00e4lt den Mund, wenn Leute ihr bl\u00f6d kommen, damit keiner sie f\u00fcr ein &#8222;Angry Black Girl&#8220; h\u00e4lt.&#8220; &#8211; S. 85<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Das traurige und schockierende an diesem Buch ist, dass Starr genau wie jeder andere Mensch ist. Sie k\u00f6nnte meine Freundin, deine Freundin, das M\u00e4dchen von nebenan sein. Sie ist keine Bedrohung. Und doch sorgen Vorurteile, Druck und Angst nach wie vor daf\u00fcr, dass all das nicht mehr z\u00e4hlt, als ein Polizist die Waffe auf sie richtet.<\/p>\n<p>Starrs Welt funktioniert nicht mehr, als Unruhen nach Khalils Tod aufkommen; und ihre getrennten Welten pl\u00f6tzlich einer Verbindung bekommen. Immer \u00f6fter fragt sie sich, ob sie ihre Rasse verr\u00e4t, wenn sie den Mist ihrer Mitsch\u00fcler unkommentiert l\u00e4sst und sich in einen wei\u00dfen Jungen verliebt. Diese Identit\u00e4skrise sollte es eigentlich nicht geben. Nicht aufgrund der Hautfarbe. Sie f\u00fchlt sich, als h\u00e4tte sie an ihrem Freund versagt. Starr muss entscheiden, ob sie in Sicherheit leben will oder daf\u00fcr sorgen, dass Khalil nicht zu einem Instrument der Medien und Machthaber wird.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #993300;\">Aber auch wenn die Unruhen auf mein Konto gehen, klingt es in den Nachrichten im Grunde so, als sei Khalil an seinem Tod selbst schuld. &#8211; S. 163<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Mal ganz abgesehen davon, dass Starr hier f\u00fcr ihren Freund und Ungerechtigkeiten gegen\u00fcber der schwarzen Bev\u00f6lkerung k\u00e4mpfen muss, hat mich besonders schockiert, dass Starr und ihre Geschwister gelernt haben, der Polizei zu misstrauen. Sie haben gelernt, den Justizkr\u00e4ften des Staates nicht zu vertrauen, mit zw\u00f6lf haben sie und ihr gro\u00dfer Bruder von ihrem Vater ein paar Verhaltensregeln eingesch\u00e4rft bekommen, damit sie nicht irgendwann erschossen im Stra\u00dfengraben enden.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #993300;\">Halt deine H\u00e4nde so, dass man sie sieht. Mach keine pl\u00f6tzlichen Bewegungen. Red nur, wenn du was gefragt wirst. &#8211; S. 29<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Und das ist traurig und schlimm. Wenn der Staat das Sicherheitsgef\u00fchl seiner B\u00fcrger, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von Herkunft, Ethnie und Umst\u00e4nden nicht gew\u00e4hrleisten kann, dann haben wir als Menschen versagt. Und wenn Kinder sich in Gegenwart anderer nicht so benehmen k\u00f6nnen, wie sie sind, dann noch viel mehr.<\/p>\n<p>Im Laufe des Buches wird man als Leser auf die Probe gestellt, denn Starr l\u00e4sst sich nicht l\u00e4nger alles bieten und spricht endlich auch ihre engen Schulfreunde auf falsches und feindliches Verhalten an. Und ich als Zuschauer musste realisieren, das ich vielleicht ebenfalls nicht ganz vorurteilsfrei bin.<\/p>\n<p>Toleranz muss man sich antrainieren, &#8222;offen sein&#8220; ist kein Charakterzug, den man in die Wiege gelegt bekommt. Es ist eine Entscheidung und solange wir noch nicht f\u00fcr uns selbst entschieden haben, dass Hautfarbe und Herkunft keine Rolle f\u00fcr uns spielen, solange wird es solche Ungerechtigkeiten weiter geben.<\/p>\n<p><em>The Hate U Give<\/em> ist kein perfektes Buch. Aber das muss es auch nicht sein, um Bewusstsein zu f\u00f6rdern. Lest es, gebt es weiter. Es ist so einfach. Und so unglaublich wichtig.<\/p>\n<p>Ein letztes Zitat m\u00f6chte ich euch noch mit auf den Weg geben.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #993300;\">Abschiede schmerzen am meisten, wenn der andere nicht mehr da ist. &#8211; S. 80<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Vielen Dank an den Verlag und das Bloggerportal f\u00fcr die Bereitstellung des digitalen Rezensionsexemplares.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir ist bewusst, dass diese Rezension etwas \u00fcberf\u00e4llig ist und praktisch &#8222;Old News&#8220;, aber ich kann einfach nicht nicht \u00fcber dieses Buch und diese Art Literatur allgemein schreiben. Als das Buch letztes Jahr auf Englisch erschien, hatte ich schon sehr stark darauf hin gefiebert. 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