{"id":1324,"date":"2018-05-10T16:56:31","date_gmt":"2018-05-10T14:56:31","guid":{"rendered":"https:\/\/buchundgewitter.wordpress.com\/?p=1324"},"modified":"2018-11-11T15:05:00","modified_gmt":"2018-11-11T14:05:00","slug":"farbenblind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buchundgewitter.de\/?p=1324","title":{"rendered":"Farbenblind von Trevor Noah"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1517 size-large\" src=\"http:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/final1526455335281-1024x575.jpg\" alt=\"\" width=\"790\" height=\"444\" srcset=\"https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/final1526455335281-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/final1526455335281-300x168.jpg 300w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/final1526455335281-768x431.jpg 768w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/final1526455335281-700x393.jpg 700w, https:\/\/buchundgewitter.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/final1526455335281-980x550.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 790px) 100vw, 790px\" \/>In der Schule lernte ich Begriffe wie Rassismus, Apartheid, Rassentrennung und doch war mir nie klar was genau sie bedeuten. Wie sie in der Realit\u00e4t wirken. Wie wichtig diese Begriffe tats\u00e4chlich sind. Wie viele Leben durch sie schon beeinflusst wurden und vor allem, wie wenig wir uns darum k\u00fcmmern.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #993300;\">Darum gehts<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Trevor Noah hat all dies hautnah miterlebt, als er 6 Jahre lang unter der Apartheid gelebt hat. Aber etwas so umfassendes wie Apartheid \u00e4ndert sich bei weitem nicht so schnell, wie es offiziell &#8222;abgeschafft&#8220; wird. In seinem Buch <em>Farbenblind <\/em>erz\u00e4hlt er seinen Werdegang in S\u00fcdafrika in 18 Aufs\u00e4tzen.<\/strong><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #993300;\">Meine Meinung<\/span><\/h4>\n<p>Ich habe f\u00fcr dieses Buch sehr lange gebraucht. Das lag an erster Stelle an der Ehrlichkeit der Texte, der Brutalit\u00e4t und Gewissenlosigkeit, die geschildert wurde. Des Weiteren ist der Aufbau nicht chronologisch gewesen, man ist als Leser st\u00e4ndig vor und und zur\u00fcck gesprungen in Trevors Leben, was teilweise sehr verwirrend und anstrengend war. Diese vorerst willk\u00fcrlich erscheinende Strukturierung hat am Ende dennoch ein Bild gegeben, einen H\u00f6hepunkt auf den man als Leser hingearbeitet hat und der zugegeben, ziemlich schockierend war. Die emotionale Anstrengung die entstand hat mich oftmals tagelang davon abgehalten weiter zu lesen. Trotz allem hat es mich tief beeindruckt.<\/p>\n<blockquote><p>Die Opfer des Holocaust z\u00e4hlen, weil Hitler sie z\u00e4hlte. [&#8230;] Aber wenn man nachliest, welche Gr\u00e4ueltaten gegen Afrikaner ver\u00fcbt wurden, dann gibt es keine Zahlen, nur Sch\u00e4tzungen. &#8211; S. 227<\/p><\/blockquote>\n<p>Trotz der schwierigen und schlimmen Themen wurde das Buch immer mit Humor erz\u00e4hlt, so absurd und schlimm eine Aktion auch war, Trevor Noah hat sie fast l\u00e4cherlich dargestellt. Sein Stil ist wahnsinnig locker gewesen, kumpelhaft. Die Umst\u00e4nde wurden ganz leicht erkl\u00e4rt. Das hatte zur Folge, das ich einige Male gegrinst habe, viel \u00f6fter aber innehalten musste, um die Botschaft hinter der witzigen Floskeln zu verarbeiten.<\/p>\n<blockquote><p>Die Geschichte Sowetos ist die Geschichte seiner Auffahrten. Ein Ort der Hoffnung. &#8211; S. 57<\/p><\/blockquote>\n<p>In dem Absatz, aus dem dieses Zitat stammt, beschreibt Noah die Geschichte des Townships Soweto, das urspr\u00fcnglich als Gef\u00e4ngnis geplant gewesen war. In Townships basteln sich die Menschen ihre H\u00e4user zusammen: Aus Pappe, Wellblech, sp\u00e4ter vielleicht mal Stein. Zuerst ein Zimmer, dann wird es erweitert, vielleicht kommt auch der Punkt im Leben der Familie, wo es zwei Zimmer gibt. Aber jeder hatte einen Grundbesitz, und wenn man hinter die Zeilen schaut, versteht man, dass all diese bettelarmen Menschen eine Auffahrt hatten, weil die Wei\u00dfen eine Auffahrt hatten. Sie hofften immer, dass es besser werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p><em>Farbenblind<\/em> ist f\u00fcr mich deswegen so beeindruckend gewesen, weil es den Gr\u00e4ueltaten, von denen ich immer nur ein Bruchst\u00fcck gesehen habe, ein Gesicht gegeben hat. Wie so vieles hat auch die Apartheit viel mehr Unterpunkte als man sich als Unbetroffener vorstellen kann. Zwischen den Aufs\u00e4tzen schildert Trevor Noah einige grundlegende Begebenheiten in S\u00fcdafrika und wie verschlagen diese gegeneinander ausgespielt wurden. So hat Apartheid zum Beispiel daf\u00fcr gesorgt, dass es nicht nur ein Trennung zwischen Wei\u00dfen und Schwarzen gab, sondern auch zwischen den einzelnen St\u00e4mmen der Schwarzen. Man hat verhindert, dass die Schwarzen &#8211; die Mehrheit in S\u00fcdafrika &#8211; sich zusammenschlie\u00dfen konnten. Durch etwas so simples wie Sprache. Es gab eine offizielle Amtssprache &#8211; Englisch. All die Dialekte und anderen afrikanischen Sprachen der Ureinwohner wurden als &#8222;nicht wichtig&#8220; genug befunden, obwohl die Sprechenden das nat\u00fcrlich anders sahen. So lernte kaum jemand die Stammessprache des anderen und man konnte sich nicht verst\u00e4ndigen. Anhand seiner Hautfarbe hat Trevor Noah schon optisch nicht in das System gepasst, da hat er sich zumindest die Sprache zunutze gemacht und jegliche Dialekte gelernt, mit denen er zu tun hatte.<\/p>\n<blockquote><p>Ich wurde zum Cham\u00e4leon. Meine Farbe \u00e4nderte sich nicht, aber ich konnte die Farbwahrnehmung der anderen ver\u00e4ndern. [&#8230;] Ich sah vielleicht nicht aus wie mein Gegen\u00fcber, aber wenn ich wie der andere sprach, war ich wie der andere. &#8211; S. 73<\/p><\/blockquote>\n<p>Das alles ist nur ein Bruchteil dessen, was ich aus diesem Buch mitgenommen habe. Einen Aufsatz mit dem Titel &#8222;Go, Hitler!&#8220; hat es mir besonders angetan. Allein schon die \u00dcberschrift l\u00e4sst einen skeptisch werden, aber letztendlich beruht das nur auf Missverst\u00e4ndnissen. Die wei\u00dfen Eroberer konnten nat\u00fcrlich die Namen der Eingeborenen nicht aussprechen und anstatt, dass sie die Sprache lernen, haben sie die Schwarzen verleitet ihren Kindern einen wei\u00dfen Namen zu geben. Schwarze haben also drei Namen: einen wei\u00dfen Vornamen, einen Vornamen in der Stammessprache und einen Nachnamen. Das Prinzip mit dem der wei\u00dfe Vorname ausgesucht wurde, war einfach: Zufall. Aus der Bibel, nach Politikern oder Filmstars der Wei\u00dfen. Und wenn die Wei\u00dfen den Namen zuf\u00e4llig einem wichtig und machtvoll aussehendem Typen gegeben haben, dann taten die Schwarzen das auch, denn sie wollten auch machtvoll wirken. So endete ein junger Schwarzer mit dem Vornamen Hitler. Dieser junge Mann war der beste T\u00e4nzer seines Townships und zusammen mit Trevor Noah hatte sich damals eine Tanzgruppe gebildet, die auf Partys auflegte, um Stimmung zu machen. Ihr Erfolg wurde so gro\u00df, dass sie f\u00fcr den Kulturtag einer j\u00fcdischen Schule gebucht wurden. Und das Ende ihres Auftrittes war ein Tanzsolo von Hitler, das sie lautstark mit dem Spruch &#8222;Go, Hitler&#8220; anfeuerten. Trevor und seine Freunde hatten keine Ahnung was Antisemitismus und Holocaust bedeuteten.<\/p>\n<p>Durch dieses Buch habe ich wahnsinnig viel gelernt, mir wurden die Augen ge\u00f6ffnet und das auf eine so nat\u00fcrliche Weise, dass ich es zuerst gar nicht gemerkt habe. Trevor Noah schmei\u00dft nicht mit Fachbegriffen um sich, er kleidet das schwierige Thema Rassismus &amp; Apartheid in ein simples Flanellhemd. Er macht es vertraut und greifbar, packt die Probleme in den Alltag.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Autor:<\/em> Trevor Noah\u00a0\u2022 <em>Titel:<\/em> Farbenblind\u00a0\u2022 <em>Verlag:<\/em> <a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Verlag\/Blessing\/10000.rhd\">Blessing<\/a>\u00a0\u2022 <em>Seiten:<\/em> 355\u00a0\u2022<em> Format:<\/em> Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, eBook\u00a0\u2022 <em>Preis:<\/em> 19,99\u20ac (GB); 15,99\u20ac (ePub)\u00a0\u2022 <em>Erscheinungstermin:<\/em> 06. M\u00e4rz 2018\u00a0\u2022 <em>Neugierig?<\/em> <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B01N1PACF7\/verlagsgruppe-21\/\">Amazon<\/a>\u00a0\u00a6 <a href=\"https:\/\/www.thalia.de\/shop\/home\/artikeldetails\/EAN978-3-641-20643-7\/?ProvID=10911403&amp;pid=683410-&amp;affmt=2&amp;affmn=186\">Thalia<\/a><\/p>\n<p><b>Vielen Dank an den Verlag f\u00fcr die Breitstellung dieses Rezensionsexemplares.\u00a0<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schule lernte ich Begriffe wie Rassismus, Apartheid, Rassentrennung und doch war mir nie klar was genau sie bedeuten. Wie sie in der Realit\u00e4t wirken. Wie wichtig diese Begriffe tats\u00e4chlich sind. Wie viele Leben durch sie schon beeinflusst wurden und vor allem, wie wenig wir uns darum k\u00fcmmern. 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